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Peter Sloterdijk: „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“

„Über das anti-genealogische Experiment der Moderne“
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 978-3-518-424353
Gebunden, 489 Seiten
29,95 Euro

 

„Rhetorisches Übermaß

(…)
Wie eigentlich immer dürften sich die Lesegeister am rhetorischen Übermaß scheiden. Sloterdijk-Hasser werden ein weiteres Mal das charakteristische – wenn man dem Autor Böses will: hochmütig-onanistische – Fremdwort- und Metapherngetrommel anprangern. Sloterdijk-Fans werden die volle Dröhnung verlässlich gutheißen. Sie können mit einigem Recht behaupten: Genauso, wie die Metaphern-Eruptionen einen Erkenntnis-Mehrwert garantieren, genauso garantiert der Sound einen Empfindungs-Mehrwert. Und das heißt hier: Bei der Lektüre überträgt sich jenes „Unbehagen am Offenen“, das laut Sloterdijk „die angemessene Antwort auf den Überschuss des Unerklärlichen vor dem Erschlossenen“ ist – und zumal auf den Problemüberschuss bei gleichzeitigem Lösungsdefizit, der in den gewaltig aufgerissenen Klüften zwischen den unverbundenen Generationen immer nur zunimmt.

Um ein bisschen zu „sloterdijken“: Peter Sloterdijk beweist sich in Die schrecklichen Kinder der Neuzeit als Vollgasfahrer im kurvigen Labyrinth der westlichen Zivilisationsgeschichte – Beulen im Blechkleid der Seriosität sind da unvermeidlich. Aber wer bei Sloterdijk einsteigt, kommt weit herum und sieht eine Menge Dinge, in diesem Fall: eine Menge dunkler Dinge, aus unerwarteten Drift-Winkeln. Wer an solcher Raserei allerdings keinen intellektuellen Spaß hat, sollte lieber kei­nen Meter Mitfahrt riskieren.“
Arno Orzessek, kulturradio

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