Malkurse: www.kunstwerkstatt-olma.de

Texte/Presse

MAIN SPITZE – Rhein-Main-Presse

Ausstellungen 24.01.2017

In der Galerie Mainzer Kunst treffen Skulpturen von Klaus M. Hartmann auf Malerei von Veronika Olma

Von Marianne Hoffmann MAINZ – „Für das Bedürfnis aufheiternder Unterhaltung und um der Einsamkeit die Öde zu benehmen, sind die Hunde zu empfehlen, an deren moralischen und Intellektuellen Eigenschaften man fast allemal Freude und Befriedigung erleben wird“, sagte einst Artur Schopenhauer zum Verhältnis des Menschen und zu seinem besten Freund. Die Künstlerin Veronika Olma, die in der Galerie Mainzer Kunst im Weihergarten ihre Malerei den Skulpturen ihres Künstlerfreundes Klaus M.Hartmann gegenüberstellt, liebt Hunde. Sie verewigt sie in ihren geheimnisvollen Bildern, die altmeisterlich frisch gemalt sind und so viel zu erzählen haben.

Ihr Gegenpart in der Ausstellung mit dem Titel „archetypisch“ zeigt Archetypen aus groben dunklen Bronzeplatten, scheinbar achtlos zur Menschform zusammengefügt, ohne den Anspruch der Vollendung. Der Wiedererkennungswert zählt und die Phantasie des Betrachters tut ein übriges. Der Wiedererkennungswert in der Malerei von Veronika Olma ist hoch, aber wenn man glaubt, man hat begriffen, in welche Welten sie den Betrachter entführt, entgleitet der Blick auf der Leinwand in die gewischte Malerei aus Eitempera und Chitosan. Beide Malmittel werden schon von jeher von den Großen der Malzunft genutzt. Eiweiß, Eigelb, Leinöl und Farbpigment und zum Eindicken Chamoiskreide, wenn man will. Veronika Olma nutzt dieses Malmittel, um möglichst lange an ihrem Werk arbeiten zu können, denn ihr Anspruch an ihre Fantasiewelten ist hoch. Klaus M. Hartmann kümmert sich um die griechische Mythologie und zeigt uns Prometheus, der in Bronze verewigt vor uns liegt. Der Archetyp Mann, den neugierigen Blicken ausgeliefert, nicht mehr als ein Element aus Bewegung und Statik, Schwere und Leichtigkeit. Manchmal brachial durch das Material verstärkt, manchmal leicht, beinahe anmutig durch die Verwendung von Cortenstahl, beim großen Minotaurus, der im Kampfmodus auf seinem Sockel steht und vor Stahlmuskeln strotzt.

Zart dagegen die „Stickstoff-Boxen“ der Künstlerin Olma. 18 Stück gibt es davon. Alle tragen zarte Stickereispruchfragmente von alten Küchentüchern mit Leichtigkeit in einen neuen Zusammenhang. Befehlsformen wie „Halte Ordnung!“ konterkariert sie ironisch mit Mensch und Tier und der Frage „Warum denn?“ Wie immer ist es Rolf K. Weber-Schmidt gelungen, eine gewagte Gegenüberstellung zu riskieren, die überraschend gut funktioniert.

 

 

 

 

Beitrag über die Ausstellung im Rückspiegel 16/05 des Oktv Südwestpfalz
Das Ausstellungsportrait ab Minute 3:12 bis 6:22.

 

 

 

Pressespiegel Kunstverein Dahn „Reality Recomposed“

 

 

http://www.kunstverein-dahn.de/index.php/sonstiges/pressespiegel/pressespiegel-2016.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Presse:

Über Veronika Olma zur Ausstellung in der Galerie Thalhaus „DAzwischenDA“
Von Angelika Wende

Angelika Wende

Angelika Wende

 

 

 

Theresia Hebenstreit – Eröffnungsrede
Galerie Thalhaus, Wiesbaden
Veronika Olma „DAzwischenDA“

Ausstellung thalhaus Wiesbaden. Eröffnung am 1.2.2015

Ich begrüße Sie herzlich zu dieser Ausstellungseröffnung hier im thalhaus. Mit einer kurzen, kleinen Einführung will ich versuchen, Ihnen Lust zu machen auf dieses große Werk der Künstlerin Veronika Olma.

Um uns ein Bild von diesem Werk zu machen, dass mir schon seit längerem nicht mehr aus dem Kopf gegangen war, besuchten Hanne Hocke und ich sie in Ihrem Atelier in Enkenbach-Alsenborn

Nach dem unkomplizierten, herzlichen Willkommen der Hausherrin, samt wärmenden Tee am bereits mit „Platz-Tellern“ gedeckten Refektoriumstisch im Wohn-und Ausstellungsbereich, führt sie uns über die Küche, durch den Flur, in Schlafzimmer und Bad, immer wieder mit Ein-blicken, auf für uns neue, ungewöhnliche Kunstwerke, die in Größe und Ausführung unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf einer großzügigen Holztreppe geht sie uns schließlich in den ersten Stock dieses wunderbaren Sandsteinhauses voran, in ein Atelier von traumhaften Ausmaßen.

In der Mitte des Raumes wühlen zwei Hunde unter einer Decke, ab und zu lugt ein Kopf hervor, dazwischenda ist unsichtbares Gewusel und Gewaber, ganz offensichtlich großes Vergnügen mit spielerischem Lustgegrunze. Ich, die ich keine Hunde habe, hab so was noch nie gesehen und bin entzückt und höchst amüsiert.

Ich mache ein paar Fotos, die ich zusammen mit den Fotos der Bilder von Veronika Olma in einem Ordner speichere. Beim späteren durchklicken merke ich, wie viel das eine mit dem anderen zu tun hat. Nicht nur, dass dort Tiere in ungewöhnlicher Situation zu sehen sind und wir Menschen die Zuschauer sind, sondern vor allem, dass Tieren Raum gewährt wird in einem künstlich-künstlerischen Setting und sie damit eine veränderte Funktion zugewiesen bekommen, eine für mich unbekannte Bedeutung erhalten und neue Bezüge eingehen. Genau das passiert immer wieder auf den Bildern von Veronika O. Kein Tier ist einfach nur Tier, kein Mensch einfach nur Mensch. Der Hund Bazi ist auch nicht nur Hund, er ist Model, Bildgeber, Anreger, Lieblingsstück auf allen Spaziergängen und somit auf vielen Fotos und sogar Hauptperson eines eigenen Blogs. Und so geht es nur natürlich weiter in den Bildern, kein Schaf ist nur ein braves Schaf, kein Mensch einfach nur Affe, kein Affe einfach nur Mensch. In aller dokumentarischen Unschuld bricht Veronika O. jedwede Bedeutung und widmet sie um, wickelt Bänder und Seile darum, setzt ihre Hauptpersonen auf Wolken, in Teller und auf Schieferplatten, lässt sie im ungefähren verschwinden oder malt Skelette winziger Strahlentierchen davor, um dem dahinter eine neue Dimension zu geben und die Vernetzung der Dinge zu beleuchten. Immer steht das Nachdenken darüber, wer wir sind, was wir mit Tieren machen, wie weit wir, unschuldig oder schuldbeladen in ihre Welt eindringen, im Fokus ihrer Malerei.

Nie ist der erhobene Zeigefinger zu spüren. Die feine Ironie und die virtuose Malerei, die Brüche und die ungewöhnlichen Untergründe lassen uns erleichtert schmunzeln und als entspannte Betrachter auf Abstand zu den oftmals unheimlichen Vorgängen auf den Leinwänden gehen, bis uns von irgendwoher wieder ein unbegreifliches Wesen anspringt, ein unverständlicher, aber so gemeinter Zusammenhang auftaucht und wir mit angehaltenem Atem einer weiteren kleinen Grausamkeit begegnen, die uns erneut in Bann zieht.

Veronika O. ist eine zeitgenössische Malerin, die seit vielen Jahren deutschlandweit und international ausstellt.

Veronika O. malt in Tempera: genauer in Chitosan-Tempera, einer aus dem Chitin von Krabbenschalen hergestellten, wasserlöslichen Ölfarbe. Ihre Leidenschaft für ungewöhnliche Bindemittel teilt und tauscht sie mit anderen Malerkollegen und die Vielzahl ihrer Pigmente zeigt sie mit großem Vergnügen, so dass man sie liebsten kosten würde.

In ihrem großen Sandstein Haus in Enkenbach-Alsenborn (bei Kaiserslautern) entstehen im ehemaligen Tanzsaal ihre Werke und dort betreibt sie auch seit Mai 2005 mit Wolfgang Löster die überaus erfolgreiche „kunstwerkstatt olma“.

Entdecken Sie Stickstoffboxen, feinste Zeichnungen, Cut outs und Collagen und dringen Sie ein in die skurrile Welt dahinter, lassen Sie sich von Veronika O. mitnehmen und verführen, verlangen Sie Erklärungen oder auch keine… genießen Sie es!

Herzlichen Dank

Theresia Hebenstreit

 

 

 

 

 

 

 

 

eben das Bild’

Ausstellung von Veronika Olma im artelier 21, Rheinzabern vom 17.8. bis 27.9. 2014

„Manchmal ärgern wir uns tierisch, kommen auf den Hund, weinen dicke Krokodilstränen, schimpfen wie die Rohrspatzen, sind arm wie die Kirchenmäuse, benehmen uns wie Hasenfüße oder Wölfe im Schafspelz, sind wieselflink oder agieren im Schneckentempo.“

Was in unserem Sprachgebrauch angekommen ist, spielt auch im Werk von Veronika Olma eine ganz besondere Rolle: Tiere und Ironie. Sie sagt selbst von sich: „Seit wir vor vier Jahren einen Hund bekommen haben, ist mehr Humor in meine Kunst gekommen.“ Diese ironischen Momente nehmen ihren Bildern die kompositorische Strenge. Ganz deutlich wird das, wenn wir Hase und Igel als Dandys des 19. Jahrhunderts verkleidet sehen, oder eine Hirschkuh die auf Embryonen starrt. Ein Junge, der eine Art Ballon in der Hand hält und gleichzeitig zwei Männer mit Hanteln in einem Liniengewirr über ihm kreisen oder ein kleines Schaf im Universum schwebt… – Dann ist die Welt noch lange nicht aus den Fugen geraten – sondern es wird uns der Schlüssel zu Veronikas Arbeiten deutlich: wir sind aufgefordert, die Welt mit Ironie zu betrachten und uns zu wundern. Denn ihre Hauptintention ist das Wundern, betonte sie im Vorfeld der Ausstellung: „Ich wundere mich über diese Welt. Ständig. Über die Schönheit des Lebendigen, über unsere einzigartige Existenz. Und darüber, wozu der Mensch so fähig ist – im Guten wie im Bösen…“

In ihrem Werk wird der Betrachter zu einem Bild-Dialog eingeladen und mittels hintersinniger, humoresker Bild-Zitate aus der Kunst- und Kulturgeschichte, aber auch aus den Naturwissenschaften eingeladen, zu erforschen, was die Welt zusammenhält.

Die Irritation ist genauso beabsichtigt, wie das Überraschungsmoment und findet in einer neuen Kombination und Rätselhaftigkeit Einzug in ihre Bilder. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen die großen Themen wie Mensch und Natur. Kompositionell um das Prinzip der Collage und der Verfremdung erweitert.

Die mit zahlreichen Kunstpreisen ausgezeichnete Künstlerin, die 1962 in Beuren an der Aach am Bodensee geboren wurde, wuchs in einem Selbstversorger-Haushalt mit kleinem Tierpark wie Kuh, Katze und vier Rehen auf. Sie studierte von 1982 bis 1988 an der PH in Karlsruhe Kunst bei Prof. Dr. Wolfgang Hartmann sowie Germanistik und Kunstgeschichte an der TU. Danach begann ihre künstlerische Arbeit in verschiedenen Ateliers und sie betreibt seit Mai 2005 die „kunstwerkstatt olma“,
ein Atelier in Enkenbach-Alsenborn zusammen mit Wolfgang Löster.

Die ambivalente Beziehung Mensch – Tier steht im Mittelpunkt der Arbeit von Veronika Olma. Das zeigen auch ihre vielfältigen Ausstellungs-Teilnahmen der letzten Jahre, wie „Auf den Hund gekommen”, in der Tuchfabrik Trier , dann „Rotkäppchen lügt” in der Galerie im Bürgerhaus Sulzfeld, „Zügels Tiere versus Modern Art(ist’s)“ im Kunstverein Wörth sowie in „MENAGERIE“ in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch-Hall.

Bereits über Jahrhunderte hinweg, wurde das Verhältnis von Mensch und Tier in Literatur und Kunst beleuchtet, abgebildet und überhöht. Nähe und Ferne, Vertrautheit und Fremdheit, frappante Ähnlichkeit und undurchdringliches Anderssein, das Tier wurde nicht nur als Opfer sondern auch als Partner gesehen. Heute sind Tiere entweder Luxus- oder Nutztiere. Auch die Philosophie hat sich seit Aristoteles mit dem Tier beschäftigt. Meist jedoch, um den Menschen von ihm zu unterscheiden und zu entfernen. Prägend ist für Veronika Olma die Sicht von Jacques Derrida auf das Tier. Für den französischen Philosophen Derrida war es ein einschlägiges Erlebnis, nackt im Badezimmer auf seine Katze zu treffen und Scham zu empfinden. Und so entwickelte er die Schrift „Das Tier, das ich also bin“. Eine Vorstellung vom Tier, die dem Menschen ermöglicht, auf Augenhöhe mit dem Tier ein Bewusstsein seiner selbst zu entwickeln. Dabei geht er in seinen Aufsätzen nicht nur der fundamentalen Frage nach, was der Mensch, sondern auch, was das Tier sei. Derrida schlägt die Wortschöpfung ‚Animot’ vor – also weder eine Species noch Gender – eher eine lebendige Vielfalt von Sterblichem.

Die Künstlerin spielt gerne mit der Sprache. Das zeigt sich auch im Titel der Ausstellung: ‚Eben das Bild’ . Es soll den Betrachter an das ‚Ebenbild’ erinnern. Religiös interpretiert stammen Mensch und Tier aus einer Schöpfung – sind also Ebenbild Gottes. ‚Eben das Bild’ ist aber auch eine Bezugnahme zum Bild an sich. Es ist eben ‚nur’ ein Bild. Und in der Arbeit der Künstlerin ist immer das Bild eines Bildes zu sehen! Denn all ihre Modelle, außer den Bazi-Hundebildern , denn Bazi heißt der Hund von Veronika – sind bereits Bilder eines Tieres. ‚Allach’, der große Schäferhund auf den cut outs, die ‚Bambis’, die ‚Lämmer’ – sie alle sind nach Fotos von Keramiken des Kunstprofessors Theodor Kärner, der über hundert Modelle für Nyhmenburger und Rosenthal-Porzellan gemacht hat, gemalt. Weitere Vorlagen sind die Schleich-Figuren, die aus Spielzeugläden oder Baumärkten bekannt sind. Außerdem Blechspielzeug, ausgestopfte Tiere aus ihrem Fundus usw. nur der Bazi ist als Vorlage ‚echt’.

Die Arbeiten sind in Tempera gemalt: genauer in Chitosan-Tempara. Denn dieses Material lässt Weichheit und fließende Übergänge zu – und darum geht es der Künstlerin. Die wasserlösliche Ölfarbe ist ideal für Lasuren und kann mit Wasser verdünnt werden und wird mit Chitin/Chitosan aus Krabbenschalen hergestellt. Dabei bedient sich Veronika Olma der Technik des Sfumato, italienisch sfumato ‚verraucht’, ‚verschwommen’. Eine von Leonardo da Vinci entwickelte Technik in der Ölmalerei, Hintergründe wie Landschaften in einen nebligen Dunst zu hüllen und alles mit Weichheit zu umgeben. Kontrastierend und korrespondierend dazu sind Veronikas feine Zeichnungen und die raffinierten Bild-Ausschnitte. Während in ihren früheren Bildern eine klare, horizontale oder vertikale Trennlinie für einen strengen Bildaufbau sorgte, sind auf den neuen Bildern, die Übergänge fließend. Die Inhalte ihrer Werke aus den letzten vier Jahren, sind poetisch, märchenhaft sowie witzig: Sie liebt Hell-Dunkel-Kontraste und Überlagerungen, Wissenschaft aber auch Spielzeug, die Divergenz von Malerei und Zeichnung, von Alt und Neu. Immer wieder arbeitet sie mit Brüchen in den Bildern um Spannung zu erzeugen! Und es gelingt ihr, uns Betrachter im Dialog mit den Bildern zu zeigen, welche Verbindungen möglich sind.

Hier an der einen Front sehen Sie das Bild, das Sie bereits von der Einladung und dem Ausstellungsplakat kennen: Es zeigt uns Hase und Igel in Menschengestalt und in der Kleidung des 19. Jahrhunderts – also die Protagonisten der Fabel von Wilhelm Schröder. Unser Blick bleibt jedoch hängen, denn die Hälfte eines Gesichts ist kopfüber linienförmig abgebildet und einzelne Linien und Kreise schweben darum herum. Auf dem Bild daneben sehen wir links im Bild ein Radiolaria und ein durchs Bild schreitender Mensch mit einem Eber über der Schulter. Immer wieder bevölkern Radiolarien, auch Strahlentierchen genannt, die Bilder von Veronika. Diese einzelligen Lebewesen, mit meist kugeligen oder mützenförmigen Skeletten, zeichnen sich durch eine hohe Ästhetik aus. Auch die Verwendung von Linien und Kreisen hat ihren Ursprung im mikroskopischen Bereich. Es sind Myzelien, die Gesamtheit aller fadenförmigen Zellen eines Pilzes, ein unterirdisches Gewächs also, dessen sichtbarer Fruchtkörper der Pilz ist. Sie symbolisieren im Werk von Veronika Olma die Vernetzung und versinnbildlichen ein Beziehungsgeflecht.

Ihre Cut outs gehören zu den neuesten Werken des Jahres 2014. Es handelt sich um ca. 8 mm dicke Holzplatten die mit Stich- und Dekupiersäge ausgesägt werden. ‚Dackel’, ‚Bambi’, ‚Allach I’ und ‚Schäferhund’ sind anschließend mit Tempera bemalt worden und wirken zusätzlich durch das Licht- und Schattenspiel. Hier sehen wir kraftvolle Materie: Satte, nicht glänzende Farben aus Pigmenten, aus Öl, Wasser, aber auch Sand und Asche, die sich zu glatten, rauen, mitunter körnigen Strukturen verbinden. Hier stehen fast monochrome Flächen, dick und schrundig aufgetragene Farbschichten neben glatten, farblich anders akzentuierten Bildräumen. Zum großen gestischen, temperamentvollen Farbauftrag gesellt sich ein metaphysisches Dunkel, das die Tiefe der Farben hervorhebt und deren Dominanz zügelt. Der Betrachter fühlt sich an kosmische Universumsmodelle, an die Aufnahmen aus dem Hubble-Weltraumteleskop erinnert.

Die Bipolarität in den Bildern erzeugt Spannung. Abstrakte Elemente treffen auf realistische Darstellungen. Hier pure Malerei – dort feine Pinselzeichnungen. Naturwissenschaftliche Studien und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts wie die Embryonenstudie treffen auf eine Hirschkuh. Ein realistisch gemalter Hund schwebt durch den Mikrokosmos und seine Umgebung dagegen wirkt surreal.

Bei ihren Bildern mit dem hintersinnigen Titel „SchattendasEin“ bildet die Fotografie die Vorlage für die gleichnamige Malerei, auf der Hund Bazi mit Herrchen/Frauchen abgebildet ist. Dieses iste ego sum – übersetzt ‚das bin ich’‚ eine Art von Rückspiegelung, repräsentiert eine kleinformatige Bilderserie.

Außerdem sind kleine Tondos aus Schiefer mit Hund, Schaf und Hasen bemalt. Die Besonderheit sind die drei Männer auf den Tafeln, die stolz ihre ‚Deutschen Riesen’ im Arm halten und den Betrachter an erfolgreiche Kleintierzüchter nach der Prämierung erinnern.

Im Dachraum wurde mit der Anordnung der Kunstwerke eine fast meditative Stille erzeugt. Vorne am verdeckten Fenster und im hinteren Raum stehen ‚Hansi I’ und ‚Hansi II’. Das ist ein Rehbock aus der Kindheit von Veronika Olma. Auf dem Leinwand-Tafelbild ist ‚Hansi’ begleitet von Blüten, einem mit Hula-Hoop-Reifen spielenden Mädchen und feinen, zahlreichen Kreisen und Linien dargestellt. Einerseits sehen wir hier abstrahierende Pinselzeichnungen. Andererseits zart ausgearbeitete Bildnisse von Mensch und Tier. Außerdem sind zahlreiche Schiefertafeln mit Alltags- und Haushaltgegenständen wie Stuhl, Regenschirm, Korkenzieher, Glas, Zitruspresse aber auch Maus, Hund, Hirsch und Hirschkäfer abgebildet. Das Besondere daran: sie werden in Schwarz-Weiß-Technik in Tempera auf Schiefertafeln fein gezeichnet und mit dicken, roten Balken akzentuiert.

Ebenfalls für Liebhaber des leisen Humors sind die sogenannten ‚Stickstoffboxen’: Sie sind aus Holz, mit bestickten Vintage-Stoffen der 50er Jahren überzogen und mit Tempera bemalt: Diese Sprüche waren in ihrer Entstehungszeit sicher ernst gemeint und gehörten zu einem ordentlichen Hausfrauenleben dazu. Wie beispielsweise „Sich regen bringt Segen“, „Mit frohem Mut geht alles gut“, oder „Ordnungssinn stets Gewinn“. Diese ursprünglichen Plattitüden erhalten durch die Verfremdung des Bemalens eine gänzlich neue Botschaft.

Viel Freude bei der Entschlüsselung der Werke von Veronika Olma und ein Zitat von Douglas Adams, der durch die satirische Science-Fiction Serie ‚Per Anhalter durch die Galaxis’ bekannt wurde: „Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. – Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.“

Text: Christina Körner, Kunsthistorikerin M.A.

 

 

 

 

 

Presse "DIE RHEINPFALZ"

Presse „DIE RHEINPFALZ“

Presse zur Ausstellung „eben das Bild“ in der Galerie Doris Schneider „artelier21“ in Rheinzabern

 

 

 

 

Hier der link zur Rede in der Galerie des Bürgerhauses Sulzfeld von Gudrun Schön-Stoll

 

„Rotkäppchen lügt“. Galerie im Bürgerhaus Sulzfeld. Vernissage am 26. Januar 2014

BNN vom 28.01.2014

 

Kraichgau Kurier v. 28.01.2014

 

 

Kunstpreisverleihung in der Stadtsparkasse Kaiserslautern am 26. Oktober 2013

131107Sparkasse20132910PRHEINPFAZL

 

 

Rundgang durch Neustadter Galerien: Tier-Darstellungen von Veronika Olma und Natalie Tekampe in der Galerie Aspekt –

von Claus Jürgen Holler und Holger Pöschl in der “DIE RHEINPFALZ” vom 25. Oktober 2012

Neustadt. “mens et anima(l)” heißt die Ausstellung mit Werken von Veronika Olma und Natalie Tekampe, die am Sonntag in der Neustadter Galerie Aspekt eröffnet wird. Zu sehen sind faszinierende Ansichten von Mensch und Tier zweier höchst unterschiedlicher Künstlerinnen, die trotzdem bestens zueinander passen. (…)

Bereits im Treppenaufgang der Galerie Aspekt blicken dem Besucher zwei vorwitzige Ratten aus dem Zyklus “Was ich noch sagen wollte” entgegen, die repräsentativ für den ganz eigenen Stil Veronika Olmas sind: Naturalistische Darstellungen, verfremdet mit teils verwirrenden Chiffren sind die Ausdrucksform, die die 1962 im Hinterland des Bodensees geborene und heute in Enkenbach-Alsenborn lebende Künstlerin für sich ausgewählt hat. Kommen ihre Kühe auf den ersten Blick daher wie frisch aus einem Heimatfilm entsprungen, erweisen sich ihre Bilder bei näherer Betrachtung als meist recht ironische Wahrnehmungen der Beziehung von Mensch und Tier: Der “Rabe” darf da schon mal weiß sein und auf den ersten Blick wie eine Kanarienvogel wirken, und das dämliche Schaf blickt den Betrachter in “See no evil” so herrlich treudoof aus dem rosa Hintergrund an, dass man vergessen könnte, dass am rechten Bildrand schon zukünftiges Unheil in Form der Schlachtung droht.

Es ist nicht zuletzt die Experimentierfreude, die die Faszination der Tempera-Gemälde Olmas ausmacht, denn sie greift auch gerne mal auf ausgefallene Ideen zurück: Da sind zum Beispiel ihre “Schattenboxen”, Buchenholzkörper, die sie mit bestickten Tüchern aus dem Familienfundus bezogen und mit Tierdarstellungen verfremdet. Da wird den ursprünglichen Plattitüden und Kitsch-Botschaften wie “Gott segne unser täglich Brot” oder “Sich regen bringt Segen” eine gänzlich andere Bedeutung verliehen. Oder die Bilder auf den runden Schiefertafeln, die an die Zeichnungen aus Brehms Tierleben erinnern. Und dann gibt es da ja auch noch das bedrohlich über einer Kuhherde dräuende Hirschgeweih auf tiefschwarzem Hintergrund.  Es ist das Spannungsfeld aus Ironie und Bedrohlichkeit, das den Betrachter fasziniert, das Spiel mit Naturalismus und Verfremdung, die die Arbeiten von Olma so spannend macht.
Auszug aus dem Katalogtext von Dr. Matthias Brück, Kunstphilosoph, Landau

Text (dt./eng.): Dr. Matthias Brück, Landau / Dr. Susanne Liehr, Berlin
Fotografie: Thomas Brenner, Kaiserslautern / Rüdiger Glahs, Dortmund

„Wenn der Hirsch springt, der Prinz durch einen Geisterwald reitet oder ein Radfahrer durch den Mikrokosmos radelt, dann ist die Welt nicht aus den Fugen geraten, sondern auf der Suche nach sich selbst. (…)

Fast spielerisch werden tatsächliche oder vermeintliche Gegensätze auf die Leinwand gebracht, haben längst den Charakter der Addition verloren – und dennoch mögen sie auf irgendeine Weise zusammenhängen …

Diese Überlegungen führen bei Veronika Olma eben zu einer Suche nach Beziehungen, Verknüpfungen, die sich bisweilen auch auf einem „ironischen Hintergrund“ ereignen können. Denn vielleicht verstärken ja die Bundeswehr-Tarnstoffe listig das Verborgene, kaum Wahrnehmbare, dem diese Künstlerin stets auf derSpur bleiben will?“

 

 

Katalogvorwort von Dr. Adrian Ciupuliga (Veronika Olma, Malerei, 1999)

„Bipolarität und Schnitte

Die Verbindungslinien zwischen den bipolaren Enden unserer geistigen Weit sind die Sehnsüchte: schmale Stege, über die wir aus dem Elend ins Glück, aus der Dunkelheit ins Licht balancieren. Unter ihnen liegen die Abgründe unserer Seele, unseres Tuns oder unserer Unfähigkeit.

Die Bilder von Veronika Olma erzählen von diesen Sehnsüchten, scheinbar Unüberwindliches und Unvereinbares doch noch zu überwinden – indem sie eben Unvereinbares gegenüberstellen und dadurch aufheben. An diesen Schnittstellen wird die Sehnsuchts­brücke zwischen dem Menschen-Ort und dem Natur-Ort, zwischen dem Ort der Ödnis und dem Ort der Geborgenheit geschlagen.“(…)

 

 

 

 

Zeitungsartikel2 Zeitungsartikel1

 

 

 

 

Veronika Olma & Natalie Tekampe: «mens et anima(l)»
Einführungsrede von Johannes Manz Galerie ASPEKT-Neustadt/Weinstraße

Vom 28.10. bis zum 02.12.2012 stellt die Galerie ASPEKT die Pfälzer Künstlerin Veronika Olma aus Enkenbach-Alsenborn und Natalie Tekampe aus Führstenfeldbruck aus. Die Galeristen haben die Künstlerinnen zu einem Kunst-Dialog eingeladen. Veronika Olma mit Malerei und Natalie Tekampe mit Skulpturen aus Gips und Astwerk, sowie kleinformatigen Bronzefiguren. Das noch junge Werk der Bildhauerin mit gerade abgeschlossenem Studium der Bildhauerei, begegnet dem schon reifen Werk der Malerin, die 1988 das Studium der Kunst, Germanistik und Kunstgeschichte abgeschlossen hat.

Beide thematisieren in ihren Arbeiten den Menschen und das Tier. Beide bleiben dabei nicht an der Oberfläche, sondern beschäftigen sich auf eine sehr individuelle Art eingehend mit ihrer Thematik. Sie tun dies mit einer Sprache, die inhaltlich zwischen Tragödie und mit subtilem Humor hin und her chanchiert.
Veronika Olmas Bilderwelt ist durchdrungen von Symbolik. Ihre Bilderwelt ist in starkem Maß mit ihr als Mensch verbunden und daher sehr authentisch.
Vieles hat einen sehr persönlichen und direkten Bezug zu ihrem Leben, und wird durch ihre Malerei zur allgemein gültigen Bild-Symbolchiffren, die erklären und dennoch manches in der Rätselhaftigkeit belässt. In dieser Rätselhaftigkeit bleibt sie nah am Leben, das nur vordergründig und unvollständig von uns erklärt und verstanden wird. Sie entschlüsselt ihr Bilder nicht immer für den Betrachter, sie will den eigenständigen Betrachter, den Betrachter, der sich mit ihren Bildern länger als nur einen Augenblick beschäftigt.
Natalie Tekampe modellierte die Bremer Stadtmusikanten in einer anderen Formation als wir sie kennen. Sie präsentiert uns das Quartett in der Aufstellung Milchkuh/Mastschwein/Mastgans und Hähnchen. Sie will Anstöße geben, ohne plakativ zu sein. Ihr geht es darum, die Figuren zum Leben zu erwecken, sie mit Gefühl und Seele zu füllen. “Sie sollen eigenständige Charaktere sein, die in eine Beziehung mit dem Betrachter treten können.“
Ihre Gipsfiguren sind Kreaturen zwischen Menschlichem und Animalischem.

 

 

 

 

 

 

 

Besprechung von Gabriele Weingartner, Die Rheinpfalz vom 05.04.08

Soll es doch regnen!

Ins Grübeln versetzt Veronika Olma die Betrachter ihrer Arbeiten in der Landauer Stadtbibliothek, allenfalls der Titel ihrer Ausstellung „menschpflanzetierplusdinge“ weist andeutungsweise den Weg in eine Denk- und Kunstrichtung, die sich vor allem von der Zusammenschau der Welt und deren Beziehungeflechten fasziniert zeigt. Denn was hat der fast fotorealistisch gemalte Hirsch auf dem einen Bildteil mit der Holz simulierenden Malerei auf dem anderen Bildteil zu tun? (Soll er etwa sein Geweih daran reiben?) Der hochgerüstete Ritter mit dem von ihm abgetrennten schwarz-weißen Gewaber an seiner linken Seite? Was die Kuh mit der gegenüberliegenden Grünfläche, die auch eine Wiese sein könnte?

Mehr jedenfalls als man denkt auf den ersten Blick, und genau dies ist auch der „Trick“ bei Veronika Olmas zumeist zweiteiligen Arbeiten: Sie zeigen Dinge, Tiere oder Menschen immer in ihren verschiedenen Facetten, trennen zum Beispiel das Glas von dem Tisch, auf dem es steht, drehen auch das Glas um und demonstrieren, wie die Flüsssigkeit daraus läuft. Oder sie lassen – in roten Umrissen – eine Hand sichtbar werden, die eine khakifarbene Landschaft malt, deren lichtdurchwirkte, grün-braune Reflexe wie ein wogender Wald anmutet, aber auch ein militärisches Aufmarschgebiet sein könnte.

Olmas Malerei ist assoziativ und witzig zugleich: sie nimmt dem Publikum einerseits Denkvorgänge ab – indem sie einen Hirsch und einen Hirschhornkäfer bildlich-zweiteilig zusammenzwingt. Und winkt andererseits mit schöner Indirektheit: eine gestickte Kaffeedecke steht gleichfalls einem Hirsch gegenüber, was dann aber – sofern man bereit ist, um die Ecke zu denken – gleichfalls so einiges nahelegt: Bürgerlichkeit, Gemütlichkeit, Kitsch, vielleicht ja sogar wirklich den röhrenden Hirsch über dem Sofa, wie man ihn früher – schön fertig gerahmt – auch im Kaufhaus erstehen konnte.

Haushaltsgegenstände scheinen die Malerin gleichfalls bewogen haben, sie auf ihre vermeintliche Harmlosigkeit „abzuklopfen“ und werden dann regelrecht vehement abgehakt mit roter Farbe: eine Zitronenpresse, ein Flaschenöffner, schwarz-schillernde Tulpen.

Manchmal findet auch eine deutlichere Verbindung zwischen den beiden Teilen eines Bildes statt: wenn Fische – vielleicht sind es ja wandernde Lachse – von einem Teil in den anderen schwimmen und sich dabei verwandeln. Aber schon das Liebespaar unterm Regenschirm ist kaum mehr dazu zu bewegen, die Seite zu wechseln, und so lässt Olma den niedergehenden Schauer (auf der rechten Seite) ohne weitere menschliche Durchdringungsversuche. Soll es doch regnen!

Rätselhaft bleiben zwei Großformate, auf denen man erst nach ein paar Sekunden die beiden Radfahrer erfasst, die dort ihre Kreise ziehen: der eine direkt von oben, der andere schräg von der Seite erfasst. Vielleicht umradeln sie ja nur die Riesenblüten, die gleichfalls auf den Bildern zu erkennen sind, deren Stängel sind dick wie Bäume. Womöglich haben sich die Radler ja auch nur in ihren Träumen verirrt und finden nicht mehr heraus. Sicher ist jedenfalls, dass auch hier die von Veronika Olma so geliebte Ungleichzeitigkeit praktiziert wird. Nichts bleibt in den richtigen Dimensionen, die Pflanzen sind groß – wie bei „Alice im Wunderland“ – und die Menschen mitsamt ihren Fortbewegungsmitteln schrumpfen. Aber was heißt eigentlich richtige Dimension? Olma zeigt in ihrer Malerei, dass man mit deren Relativität rechnen muss. Nichts ist so, wie es scheint. Aber alles kann irgendwie dargestellt werden.