Malkurse: www.kunstwerkstatt-olma.de

Stickstoff-Boxen

Stickstoffboxen:  2011-18  – Tempera auf bestickter Baumwolle/Holz – je 20 x 20 x 9 cm

Ausgangsmaterialien sind alte, bestickte Altardecken, Sofakissen, sogenannte Überhandtücher oder einfache Spruchtücher aus dem letzten Jahrhundert.
Die Leinentücher werden auf Holzboxen gespannt, so dass nur noch Teile der Sinnsprüche lesbar sind. Darauf werden mit feinstem Pinsel Darstellungen von Tieren oder  Mensch-Tier-Beziehungen gemalt. Diese Vorlagen stammen aus dem Internet, von alten Postkarten, aus Zeitschriften, von eigenen Fotos oder aus der Werbung. Das surrealistische Prinzip wird gesteigert, indem die Sprüche – die in der heutigen Zeit sehr komisch anmuten – mit diesen Bildern kombiniert werden.

Die meist imperative Form der Texte „Beginne früh!“, „Halte Ordnung!“ usw. richtete sich moralisierend an die Hausfrau und Mutter. Ich versuche in meiner kritisch-komischen Malerei durch das Sichtbarmachen des Absurden den feministischen durch einen tierethischen und sozialkritischen Aspekt zu erweitern.

 

Projekt
„vade mecum (Geh mit mir!)“

Seit 2012 zeichne ich die gemeinsamen Wanderwege mit Hund Bazi in der Landschaft mittels einer „Wander-App“ und den Satellitensystemen GPS und GALILEO auf.
Es entstanden bereits hunderte von Zeichnungen und Schriften, die ich immer zuerst mit Stift und Papier zu Hause plane und zeichne, mit Bazi auf dem Feld kilometerweit gehe und dann am Rechner dokumentiere und archiviere.
Die aufgezeichneten Spuren sind bis zu diesem Zeitpunkt virtuell und existieren nur als Software-Erinnerung. In meinem Projekt werden sie aber ausgedruckt und auf Holz oder Stoff übertragen, gemalt, gestickt, gefräst, geschnitzt und damit wieder in eine sinnliche Welt transportiert.

Durch Überlagerung der Track-Stickereien und meiner Malerei werden die Schriften und Linien wieder raum- und zeitlos. Größenverhältnisse heben sich auf und gehen eine neue Beziehung mit der Malerei ein. Dieses neue Geflecht ist geprägt von philosophischen Fragen zum temporären, irdischen Dasein, gewürzt mit einer Portion Humor.
Veronika Olma
Dezember 2018