Malkurse: www.kunstwerkstatt-olma.de

Pfützenbilder – iste ego sum sum

„iste ego sum sum“

 

(…)
„Und sind sie inzwischen gestorben?“

„Nein”, sagte Gigi bestimmt, „das weiß ich zufällig genau. Der Zauberspiegel machte einen nur sterblich, wenn man allein hineinblickte. Schaute man aber zu zweit hinein, dann wurde man wieder unsterblich. Und das haben die beiden getan.”

Michael Ende: Das Märchen vom Zauberspiegel

 

„iste ego sum sum“ – Zwei Ichs spiegeln sich
Veronika Olma und Hund Bazi (Pfützenbilder)

 

 

 

Publius Ovidius Naso, 43 v. – 18 n. Chr

Narcissus und Echo (3,460-465)

Lach‘ ich, lachst du mir zu; auch sah ich zum öfteren Tränen,
Wenn ich weinte, bei dir; dem Nicken auch nickst du entgegen,
Und, soviel mir verrät des reizenden Mundes Bewegung,
Gibst du Worte zurück, die mir nicht dringen zu Ohren.
Ich bin, merk‘ ich, es selbst. Nicht täuscht mich länger mein Abbild.
Liebe verzehrt mich zu mir; ich errege und leide die Flamme.
Was tun? Soll ich flehn? Mich anflehen lassen? Um was dann?

 

me lacrimante tuas; nutu quoque signa remittis
et, quantum motu formosi suspicor oris,
verba refers aures non pervenientia nostras!
iste ego sum: sensi, nec me mea fallit imago;
uror amore mei: flammas moveoque feroque.
quid faciam? roger anne rogem? quid deinde rogabo?

 

 

 

ich bin, merk´ich, es selbst.

Das Spiegelbild und damit der Spiegel an sich, ist ein sehr ambivalentes Symbol, das unter anderem als Zeichen der Eitelkeit gilt, andererseits aber auch der Selbsterkenntnis und der Wahrheitsfindung dient. Als Abbild der Seele ist es in vielen antiken Kulturen verankert. Im Alten Ägypten waren gar die Worte „Spiegel“ und „Leben“ eins. In der griechischen Mythologie verliebte sich Narziss,in sein eigenes Spiegelbild. Ovid erzählt in seinen „Metamorphosen“, dass er die Unerfüllbarkeit seiner Liebe erkannte, ohne dass es ihm etwas nützte: Er verzehrte sich und verschmachtete vor seinem Ebenbild bis zum Tod. „Ich bin, merk´ich, es selbst“
Narziss hat den Spiegeltest also bestanden.
Die Psychologie will im Experiment des sogenannten Spiegeltests den Beweis liefern, dass wir und andere höhere Lebewesen ein Selbstbewusstsein haben. Hunde, Katzen oder Schweine bestehen den klassischen Spiegeltest mit einer Markierung jedoch nicht. Möglicherweise liegt das aber daran, dass diese Tiere ihre Umwelt nicht in erster Linie visuell wahrnehmen.
Über mehrere Jahre hinweg haben wir – Hund Bazi und ich – dennoch versucht, unsere beiden Ichs in Wasserpfützen zu finden. Oder in herumliegenden spiegelnden Objekten. Meteorologische Voraussetzung dafür ist ein bedeckter Himmel. Unsere Gesichter und Körper sind nicht erkennbar, wir sind zu gleichwertigen, vereinten Silhouetten geworden, die Grenzen haben sich aufgelöst. Wir wurden zur reinen Zweidimensionalität. Die Liebenden auf gleicher Ebene.
Ein Spiegelbild ist ein äußerst kurzfristiges, und leicht zerstörbares Abbild einer zweiten Wirklichkeit.
Um die bildnerische Vereinigung von Hund und Mensch auf der Suche nach sich selbst in alltäglicher Ewigkeit festzuhalten, entstanden diese Fotos..Also Selfies, Double-Selfies, sogar ein Familien-Selfie im besten Sinne, immer mit der Schönheit des Himmels und der Erde gleichzeitig im Hintergrund.

Veronika Olma
Mai 2016

 

 

 

Reinigung und Pflege von Spiegelneuronen

In Lebenswelten kommen Spiegelneuronen unweigerlich mit Härten in Berührung, was mit der Zeit zu schwarzen Flecken führen kann.

Pflegen Sie ihre Spiegelneuronen täglich mit einem in Güte getauchtem Tuch. Die Inhaltsstoffe können Ablagerungen effektiv verhindern und sorgen für einen Antischlageffekt.

Veronika Olma