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FLUX4ART

http://www.flux4art.de/

 

Vorbereitung. „Myzel“

Gaffer-Tape auf Wand. Temporäre Installation. work in progress…
Eröffnung der FLUX4ART in Germersheim am 20.Oktober 2018

 

MYZEL
Ein temporäres Beziehungsgeflecht

Myzel ist ein Begriff aus der Botanik, denn ein ‚Myzel’ ist die Gesamtheit aller fadenförmigen Zellen eines Pilzes, ein unterirdisches Gewächs also, dessen Fruchtkörper der eigentliche Pilz ist. Dieses Gewächs verbreitet sich überall, ist fast unsichtbar, schmoddert durch die kleinsten Ritzen, ist ungeheuer vernetzt und kann riesige Ausmaße annehmen – wenn die Wachstumsbedingungen gut sind.

Gute Bedingungen findet das Myzel im Kunstverein Germersheim in einer Wandinstallation aus hellgrünem, mattem Gaffer-Tape (Haupt-Wand: 250 x 450 cm – jeder Streifen 25mm). Sie ist temporär, und kann nach der Ausstellung rückstandsfrei abgelöst werden. Die Vernetzungen der fadenförmigen Zellen, die ansonsten nur unter einem Mikroskop sichtbar sind, nehmen hier wandfüllende Dimensionen an.

Mein Interesse an diesem Gewächs kam vor fünf Jahren, als die Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern, deren Mitglied ich bin, ein künstlerisches Projekt zu diesem Thema auf die Beine stellte. Die erste Installation entstand damals an einer 10 m langen Wand. Seither tauchen meine Kunst-Myzele in allen möglichen Größen und Farben an ungewöhnlichen Orten auf und verschwinden dann wieder.

Das Wundern über die eigene, fragile Existenz und die aller anderen Geschöpflinge und Gewächse geben den Impuls zu meiner künstlerischen Arbeit. Linien, Fäden, Schatten, Spiegelungen, starke Kontraste und strenge Schnitte stellen Bezugssysteme, Verbindungen und Beziehungsgeflechte zwischen dem „Ich-hier“ und „Du-dort“ her. Wobei bei meinem „Du“ die uns umgebende Natur mit all ihren Pilzen, Pflanzen, Tieren und nichtmenschlichen Tieren (und dem ganzen lebendigen Rest) gemeint ist.

Beziehungsgeflechte als temporäre Zeichen sind das, was in meiner künstlerischen Arbeit immer mehr eine Rolle spielt. Zum Beispiel sind dies die virtuellen Schriften und Zeichnungen, die beim Gassigehen mit Hund Bazi in der Landschaft seit sieben Jahren entstehen. Aufgezeichnet werden diese mit Hilfe einer Wander-App als GPS-Aufzeichnungen und seit September 2018 auch mit dem zivilen, europäischen Satelliten-System Galileo. Was bleibt ist vielleicht ein Fußabdruck im Acker und eine Fotografie von oben mit Hilfe von google-Earth.

Desweiteren gehört dazu auch das Projekt „Fallen Faden“, in dem ich drei weiße Fäden als zufällige Verbindung auf schwarzen Molton fallen lasse ohne diese anschließend zu fixieren oder die weißen, abwischbaren Kreide-Zeichnungen auf schwarzem Tafellack. Spontane Fotografie von den Spiegelungen meines Hundes Bazi mit mir über einer Wasserpfütze (Serie „iste ego sum sum“ – „Dieser da bin ich ich) gehört ebenso dazu, wie die Serie „SchattendasEIN“, in der unsere beiden Schatten (untrennbar und für immer…) verbunden sind.

Es geht mir also darum, Beziehungsgeflechte zu visualisieren und zu fokussieren und deren flüchtige Existenz darzustellen mit einem Medium, das selbst endlich ist.

Veronika Olma

Oktober 2018

 

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