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„Auf den Hund gekommen“

Hier gibt es einen virtuellen Rundgang. Ein Besuch lohnt sich!


Freitag, 13. Juni 2014
Auf den Hund gekommen
Einführungsrede: Kunsthistorikerin Ina Seelig M.A.

Neulich in der Trierer Innenstadt kreuzte eine lautstarke Kampfhundparade meinen
Weg; Bluthunde mit ihren Herrchen, die für mehr Toleranz gegenüber ihren
Lieblingen und für die gesellschaftliche Anerkennung von Hunden dieses Kalibers
demonstrierten. Schmunzelnd betrachtete ich das vorbeiziehende Rudel, als mein
Blick auf einen der animalischen Demonstranten fiel; Dieser hatte ein Pappschild an
seiner sogenannten Körperleine befestigt, mit der Aufschrift:
„Du findest mich hässlich, Ich find Dich toll!“
Ertappt! Als optische, schöpferische Meisterleistung kann man die Rasse der
Bullterrier wirklich nicht beschreiben aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich
streiten. Welche Frage sich mir jedoch ebenfalls aufdrängte: Wie weit ist es mit
dieser Gesellschaft nur gekommen, dass ein Hund so vermenschlicht wird?
Noch vor ca. 70 Jahren gab es einen regen Aufschrei der Bevölkerung als LORIOTS
erste Cartoon-Serie mit dem Titel Auf den Hund gekommen im Stern erschien.
Menschen als Hunde, Hunde als Menschen  Ein riesen Skandal! Leser drohen
offen damit, das Magazin nicht mehr kaufen zu wollen:
„Die Bilder sind so beschämend scheußlich, daß ich nicht eher wieder einen „Stern“
kaufe, bis die Bilderreihe beendet ist.“
Die Serie wird daraufhin nach gerade einmal 7 Episoden eingestellt. Es ist also noch
gar nicht so lange her, dass der Hund die uns heute selbstverständlich erscheinende
Vermenschlichung und somit gesellschaftliche Anerkennung erfährt.
Kunsthistorisch hat der Hund jedoch eine lange Tradition, müsste somit in
etablierten Kreisen ein wohlbekannter Vertrauter sein. Schmückte er doch als
Beiwerk über Jahr-HUND-erte adelige Portraits zur Untermalung des portraitierten
Genius, sowie als treuer Begleiter des Menschen in sämtlichen künstlerischen
Inszenierungen, die nicht zuletzt in der holländischen Genremalerei, in der symbolgeladenen Verkörperung menschlicher Tugenden im Hunde gipfelten. Die
Kunst der Moderne ist gespickt von Hunden, ebenso wie die Zeitgenössische.
Zuletzt zeugte die Dokumenta 13, scherzhaft auch DOG-UMENTA genannt, die ganz
im Zeichen der Gleichstellung aller Lebewesen, insbesondere veranschaulicht durch
Künstlerschaft eines Hundes stand, vom künstlerischen Genius dieses einzigartigen
Geschöpfes. In dem Interview „Über die politische Intention der Erdbeere“,
welches im Juni 2012 in der Süddeutschen Zeitung erschien, spricht die Kuratorin
über die Gleichberechtigung jedes Lebewesens und die Interpretation der Menschen
über diese. Im Vergleich zu Loriots Zeiten sieht die Kuratorin hier keinen
fundamentalen Unterschied zwischen Hund und Mensch. Eine fragwürdige als auch
faszinierende Idee.
„Auf den Hund gekommen“, was bedeutet das eigentlich? Heutzutage kann dieses
Sprichwort in vielerlei Hinsicht verstanden und interpretiert werden.
Wenn jemand auf den Hund gekommen ist, so verstehen es die meisten, ist dieser
Mensch meist ein Hundefreund oder gar Liebhaber. Er sieht den Hund als besten
Freund, als Teil der Familie, der seinen festen Platz im häuslichen Rudel
unwiderruflich eingenommen hat.
Ursprünglich jedoch, so Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Csaba Földes, war
Jemand, der auf den Hund gekommen war „wie der verurtheilte….den strang um den
hals trug, er auch den hund tragen sollte, damit anzuzeigen, dasz er wert sei, gleich
einem hund erschlagen und aufgehängt, an der seite eines hunds aufgehängt zu
werden“.
Einen weiteren Deutungsansatz sieht Földes darin, dass Jemand am Boden einer
Truhe angelangt war, in der er sein Geld gehortet hatte. Dieses war nun
aufgebraucht und der Boden, auf dem traditionell ein Hund als symbolischer Wächter
aufgemalt war, wurde sichtbar. Seinem Ursprung nach zeigt das Sprichwort folglich
den finanziellen Ruin an, wurde somit für Jemanden verwendet, dem es finanziell
oder auch gesundheitlich nicht gut geht. Solche Menschen finden keinen Platz in
einer global kapitalistischen Welt, die Reichtum, Gesundheit und Schönheit
propagiert. Sie werden somit, den Hunden gleich, an den Rande der Gesellschaft
gedrängt. Auch als ich die Kampfhundparade auf dem Hauptmarkt hinter mir ließ, fiel mein
Blick ein paar Meter weiter auf einen, am Boden sitzenden Obdachlosen mit seinem
Hund im Schoß. Dieser, wenig beachtet und von vorbeischreitenden Passanten eher
verächtlich beäugt, zeigt uns die gesellschaftliche Widersprüchlichkeit.
Man muss sich nur bewusst machen, dass unsere Gesellschaft weltweit eine der
wenigen ist, in der es keine Straßenhunde gibt, in der Hunde IN und nicht AM
RANDE der Gesellschaft leben. Wir leben in einer Gesellschaft, in der domestizierte
Hunde eine dem Menschen gleichgestellte Daseinsberechtigung haben. In anderen
Staaten sieht das wesentlich anders aus:
Hund-erte Hunde werden täglich eingeschläfert, Hund-erte täglich kastriert in
Staaten, die versuchen mit solchen Säuberungsprogrammen der Hundeplage in
ihrem Land Herr zu werden. (Unterstütz zumeist vom Deutschen Tierschutzbund)
Der Hund wird geliebt oder gehasst….Ein ziemlich kontroverses Thema, dieser
Hund!
Ebenso vielschichtig wie das Sprichwort und somit auch das Thema der heutigen
Ausstellung verstanden und interpretiert werden kann, zeigen auch die Werke der
hier ausstellenden Künstler.
Zu sehen ist ein breites Spektrum künstlerischer Positionen: von Fotografie, Malerei,
Installationen, über Illustrationen, Zeichnungen, Comics bis hin zu Plastiken und
Skulptur-Elementen sind sämtliche Medien vertreten. Wir sehen kritische
Annäherungen als auch dem Hund huldigende Positionen.
So freue ich mich mit Ihnen auf eine spannende und vielschichtige Ausstellung in der
der Hund eine besondere, wenn auch kontroverse Rolle spielt. In diesem Sinne, Viel
Vergnügen!

Dieser Beitrag wurde geschrieben in Bazi, Des Pudels Kern, Hundsdenker, Künstlerkollegen, olmakunst und getaggt , .
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