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begangene AUFzeichnungen – GPS drawing

20.200 km weit weg…
Mit einem Hund ist man viel draußen. Um die Zeiten und gelaufenen Kilometer zu dokumentieren, zeichne ich seit 2012 mit einer „Wander-App“, mit Hilfe des „Gobal Positioning System (GPS)“ auf. Mein Smartphone muss als GPS-Empfänger immer zu mindestens vier Satelliten Kontakt haben, die die Erde jeden Sterntag zweimal in einer mittleren Bahnhöhe von 20.200 km umkreisen.
Beim Betrachten der Routen entdeckte ich, dass ich durch Zufall ein „Gesicht“ gegangen war. Oder etwas „Gesichtsähnliches“. Von da an wurden die Gassi-Gänge bewusste Zeichnungen und Schriften, die ich zuerst mit Hand, Stift und Papier zu Hause genau plane, mit meinem Hund an der Leine auf dem Acker begehe und dann am Rechner dokumentiere (Startzeit, Dauer, Entfernung). Da es sich sozusagen um eine „Einstrichzeichnung“ handelt, (das heißt, die Aufzeichnung pausiert nicht), ist bei einer figurativen Zeichnung eine sehr genaue Planung nötig. Bei den aufgezeichneten Worten werden Umlaute vermieden und deswegen oft die englische Sprache benutzt

Im Laufe der letzten sechs Jahre sind so weit über zweihundert Aufzeichnungen entstanden. Meistens gehen wir auf der Sembach Air Base, einem ehemaligen Militärflughafen in der Nähe. Wegbegrenzungen,  Bäume oder Büsche dienen als Lineatur, an der wir uns bei der Aufzeichnung orientieren können.

Spuren hinterlassen auf diesem Wohnblock Erde. Dieser Wunsch ist wohl so alt wie das Großhirn des homo sapiens. Die Sprache dieser Spuren ist magisch, flehend-bittend, Stärke anzeigend, spirituell, wissenschaftlich-suchend. Und groß und laut. Damit sie „da draußen“ auch gesehen und gehört wird.

GPS-Zeichnungen fügen sich also in das Spurenlegen der Menschheitsgeschichte ein, wie Kornkreise oder die Zeichnung des Cerne Abbas Giant oder die Scharrbilder in der Wüste bei Nazca in Peru.

Allerdings sind unsere virtuell. Und geführt, bzw. begleitet von Hund Bazi.

 

 

 

 

 

 

 

 in begangene AUFzeichnungen - GPS drawing


 

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PROMENADOLOGIE:

An der Uni Kassel werden Spaziergangswissenschaften gelehrt. Mit müßigem Wandeln durch die Landschaft hat das Fach aber nichts zu tun.

„Es geht eben gerade um das konzentrierte, das bewusste Wahrnehmen unserer Umwelt“, erklärt Martin Schmitz, der die exotische Wissenschaft an der Kasseler Universität unterrichten wird. Zwar sei unumgänglich, dass sich mit dem Fortschritt auch die Welt und der Mensch verändern, die Tatsache, dass der Mensch sich von der Umwelt entfremdet und verlernt, sie wahrzunehmen, müsse aber nicht hingenommen werden, findet der Berliner.

Die Welt wieder in die Köpfe zurückholen

Mit der Eisenbahn habe alles angefangen. Dadurch, dass der Mensch sich viel schneller durch die Umwelt bewegt habe, habe sich sein Blick zwangsläufig verengt. „Selbst wenn er spazieren geht, entgehen dem modernen Menschen Details, die seinen Vorfahren mit Sicherheit aufgefallen wären“, glaubt Schmitz. Auto und Billigflieger sowie Google Earth und GPS hätten diese Entwicklung schließlich auf die Spitze getrieben. Der Mensch würde sich zwar immer besser zurechtfinden, würde dabei aber viel weniger sehen. Dem will die Promenadologie entgegenwirken. „Es geht darum, die Augen zu öffnen und die uns umgebende Welt wieder in die Köpfe zurückzuholen. Die Menschen müssen einfach dieses Naturkino, zum Beispiel Wetterveränderungen, wieder wahrnehmen“, erklärt der Diplomingenieur.

Begründet wurde die Promenadologie von Lucius Burckhardt. Der Schweizer war von 1973 bis 1993 Hochschullehrer an der Universität Kassel. Aus Elementen der Soziologie und des Urbanismus entwickelte er in den 80er-Jahren die Spaziergangswissenschaft, mit der es ihm gelang, neue Sichtweisen auf Stadt und Planung zu eröffnen. Als der Wissenschaftler vor vier Jahren starb, war seine Kasseler Professur verwaist, bis Martin Schmitz, ein ehemaliger Student Burckhardts, dessen Idee im vergangenen Jahr wieder aufgriff. Ab dem Wintersemester 2006/2007 wird er den Lehrbetrieb für Spaziergangswissenschaft im Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung aufnehmen.