Malkurse: www.kunstwerkstatt-olma.de

begangene AUFzeichnungen – GPS drawing

Derzeit zu sehen im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main: SLOWdown.

Per smartphone und einer „Wander-App“ hergestellte GPS-(Auf-)Zeichnung.
GPS drawing.

Spuren hinterlassen auf diesem Wohnblock Erde. Dieser Wunsch ist wohl so alt wie das Großhirn des homo sapiens.
Die Sprache dieser Spuren ist magisch, flehend-bittend, Stärke anzeigend, spirituell, wissenschaftlich-suchend.
Und groß und laut. Damit sie „da draußen“ auch gesehen und gehört wird.

GPS-Zeichnungen fügen sich also in das Spurenlegen der Menschheitsgeschichte ein, wie Kornkreise oder die Zeichnung des Cerne Abbas Giant.
Allerdings sind sie virtuell. Und geführt, bzw. begleitet von Hund Bazi.

Vom virtuellen GPS-Lauf zum analogen Daumenkino
„Schatzi“ als 40seitiges Daumenkino – 5 x 9 cm – matt – Klebebindung – für 10,- Euro – signiert. Bestellung bitte per Email olma@olma.de

 

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KunstRäume – ständige Präsentation und temporäre Ausstellungen

Die KunstRäume bieten begleitend zur Dauerausstellung einen Einblick in die umfangreiche 1872 begründete Kunstsammlung der Museumsstiftung. Ihr Schwerpunkt lag lange Zeit auf Werken mit einem unmittelbaren motivischen Bezug zum Postbetrieb und dessen Geschichte, bevor sie für das breite Themenspektrum Kommunikation geöffnet und durch hochkarätige Ankäufe bereichert wurde. Heute umfasst sie Kunstwerke vom 17. bis zum 21. Jahrhundert: Skulpturen, Objekte und Multiples bis zur Gegenwart, Fotokunst und Medienkunst. Fester Bestandteil der neuen Kunstpräsentation sind u.a. die Installation „TribuT“ von Jean-Luc Cornec und Savador Dalís „Hummertelefon“, für die das Museum ebenso bekannt ist wie für die Medienplastik „Pre-Bell-Man“ von Nam June Paik. Paiks Arbeit, die lange Zeit vor dem Eingang des Museums stand, wird derzeit aufwendig restauriert, bevor sie wieder aufgestellt werden kann.

In den kommenden Jahren will das Museum parallel zur Dauerausstellung temporäre Ausstellungen zeigen. Zeitgenössische Arbeiten eröffnen künstlerische Blickwinkel auf die Phänomene Beschleunigung, Vernetzung, Kontrolle und Teilhabe. Den Auftakt machen die drei Künstlerinnen Veronika Olma, Natascha Borowsky und Susanne Neumann. Mit der Schau SlowDown bringen sie auf unterschiedliche Weise Momente der Beschleunigung und Entschleunigung zum Ausdruck.

Veronika Olma:
Sich mit der Natur auseinandersetzen und das Verhältnis von Mensch und Tier beleuchten, das sind wesentliche Aspekte der Kunst von Veronika Olma. Mit ihren Arbeiten steht sie in der langen Tradition figürlicher Tierdarstellungen, die zurückreicht bis zur prähistorischen Höhlenmalerei. Ihr Werkzeug aber sind nicht Eisenoxide oder andere Farben. Die Künstlerin nutzt ihr Smartphone, um den Weg aufzuzeichnen, den sie mit Hund Bazi geht.
Sie geht ihn bewusst, mit voller Konzentration auf Boden und Bewuchs, denn ihr Weg wird per Postionsbestimmungssystem (GPS) und App zur Zeichnung, die sie schließlich überträgt und fixiert auf nicht-virtuellem Material.

 

 

 

 

 

 

Zur Entstehungsgeschichte: Wenn man einen Hund hat, ist man viel draußen. Um die Zeiten und gelaufenen Kilometer zu dokumentieren, hatte ich mir 2012 eine Wander-App heruntergeladen, die genau dies aufzeichnete. Beim Betrachten der Routen entdeckte ich, dass ich durch Zufall ein „Gesicht“ gegangen war. Oder etwas „Gesichtsähnliches“. Von da an wurden die Gassi-Gänge bewusste Zeichnungen und Schriften, die ich zuerst mit Hand, Stift und Papier zu Hause genau plane, mit meinem Hund an der Leine auf dem Acker begehe und dann am Rechner dokumentiere (Startzeit, Dauer, Entfernung). Da es sich sozusagen um eine „Einstrichzeichnung“ handelt, (das heißt, die Aufzeichnung pausiert nicht), ist bei einer figurativen Zeichnung eine sehr genaue Planung nötig. Bei den aufgezeichneten Worten werden Umlaute vermieden und deswegen oft die englische Sprache benutzt. Die Auswahl der Worte und Bilder hat oft einen tagesaktuellen Bezug. Sehr abstrakte „Free-Style“-Bilder entstehen, wenn der Hund Bazi führt.

Im Laufe der letzten fünf Jahre sind so weit über zweihundert Aufzeichnungen entstanden. Meistens gehen wir auf der Sembach Air Base, einem ehemaligen Militärflughafen in der Nähe. Wegbegrenzungen, Strohballen, Bäume oder Büsche dienen als Lineatur, an der ich mich bei der Aufzeichnung orientieren kann.

 

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PROMENADOLOGIE:

An der Uni Kassel werden Spaziergangswissenschaften gelehrt. Mit müßigem Wandeln durch die Landschaft hat das Fach aber nichts zu tun.

„Es geht eben gerade um das konzentrierte, das bewusste Wahrnehmen unserer Umwelt“, erklärt Martin Schmitz, der die exotische Wissenschaft an der Kasseler Universität unterrichten wird. Zwar sei unumgänglich, dass sich mit dem Fortschritt auch die Welt und der Mensch verändern, die Tatsache, dass der Mensch sich von der Umwelt entfremdet und verlernt, sie wahrzunehmen, müsse aber nicht hingenommen werden, findet der Berliner.

Die Welt wieder in die Köpfe zurückholen

Mit der Eisenbahn habe alles angefangen. Dadurch, dass der Mensch sich viel schneller durch die Umwelt bewegt habe, habe sich sein Blick zwangsläufig verengt. „Selbst wenn er spazieren geht, entgehen dem modernen Menschen Details, die seinen Vorfahren mit Sicherheit aufgefallen wären“, glaubt Schmitz. Auto und Billigflieger sowie Google Earth und GPS hätten diese Entwicklung schließlich auf die Spitze getrieben. Der Mensch würde sich zwar immer besser zurechtfinden, würde dabei aber viel weniger sehen. Dem will die Promenadologie entgegenwirken. „Es geht darum, die Augen zu öffnen und die uns umgebende Welt wieder in die Köpfe zurückzuholen. Die Menschen müssen einfach dieses Naturkino, zum Beispiel Wetterveränderungen, wieder wahrnehmen“, erklärt der Diplomingenieur.

Begründet wurde die Promenadologie von Lucius Burckhardt. Der Schweizer war von 1973 bis 1993 Hochschullehrer an der Universität Kassel. Aus Elementen der Soziologie und des Urbanismus entwickelte er in den 80er-Jahren die Spaziergangswissenschaft, mit der es ihm gelang, neue Sichtweisen auf Stadt und Planung zu eröffnen. Als der Wissenschaftler vor vier Jahren starb, war seine Kasseler Professur verwaist, bis Martin Schmitz, ein ehemaliger Student Burckhardts, dessen Idee im vergangenen Jahr wieder aufgriff. Ab dem Wintersemester 2006/2007 wird er den Lehrbetrieb für Spaziergangswissenschaft im Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung aufnehmen.