Bild Valeria


Literaturempfehlung: 

 




 

Grundinfos zum Malen mit Eitempera

von

Veronika Olma

Dieses kleine Dossier soll als Zusammenfassung des soeben praktizierten Malkurses verstanden werden und hauptsächlich die Maltechnik der Eitempera vermitteln. Es soll keine Anleitung zum Malen an sich sein, denn "aus Büchern kann man das Malen ebenso wenig lernen, wie auf dem Sofa das Schwimmen." Dies sagte Max Doerner 1921 in "Max Doerner, Malmaterial und seine Verwendung im Bilde". Aus seinem Standardwerk im Enke-Verlag erschienen, habe ich auch die folgenden technischen und chemischen Informationen und Beschreibungen entnommen.

Hier also nochmals die Erklärungen der grundlegenden Fachausdrücke während des Malkurses.

Rahmenbau
Die große Zeit des Leinwandbildes und damit auch des Keilrahmens begann im Spät-Mittelalter. Zuvor, bis in die Antike, verwendeten die Maler in der Tafelmalerei Holz. Die immer größer werdenden Bildformate der Neuzeit waren die Ursache für die neue Leinwandmalerei.

Wir bauen unsere Rahmen im Malkurs selbst - dies geschieht zum einen, da dies eine preiswerte Alternative zu den fertigen Leinwandbildern ist, aber zum anderen auch deshalb, weil man mit den einzelnen Keilrahmenschenkeln auch Rahmen bauen kann, deren Maße außerhalb der Norm der Hersteller liegen.

Ein Keilrahmen besteht aus vier Keilrahmenleisten, die exakt auf Gehrung gearbeitet sind und sich durch Falze zusammenstecken lassen. Er hat keine festverleimten Eckverbindungen. Das Holz hat auf der einen Seite abgerundete Wülste, die als Abstandshalter zur Leinwand dienen. (Immer darauf achten, dass beim Zusammenbau die Wülste auf einer Seite sind!!) Mit einem Hammer werden die Ecken ganz ineinandergefügt und es muss danach darauf geachtet werden, dass der Rahmen im rechten Winkel ist. Die Keile des "Keilrahmens" werden erst nach dem Grundieren in die Ecken eingeschoben und nur ganz leicht eingetrieben. Sie sollen hauptsächlich später, wenn das fertige Bild schon getrocknet ist, dazu dienen, schlaff gewordene Leinwand wieder glattzuspannen.

Das Gewebe wird nun auf diesen Keilrahmen gespannt, wobei man darauf zu achten hat, dass es fadengerade ist. Bei größeren Rahmen, von etwas 1 m an, fügt man ein Kreuz als Versteifung ein, damit sich der Rahmen beim Spannen nicht verbiegt.

Man legt den zusammengefügten Keilrahmen mit den Wülsten nach unten auf das Leinwandstück, das nach allen Seiten hin etwa 4 cm größer sein muss, und befestigt es an einer Seite des Keilrahmens. Ich habe mir angewöhnt, den Stoff hinten einmal umzuschlagen, damit die Fäden durch den Schnitt "versorgt" sind, und es damit zu keiner ästhetischen Beeinträchtigung kommt. Mit der Spannzange, die eine breite Greiffläche haben soll, zieht man das Leinwandstück in der Mitte einer Seite straff und gerade an und schlägt auf der Rückseite einen Tackernagel ein. So verfährt man mit allen vier Seiten, wobei man beachten muss, dass der Stoff glatt und gerade bleibt. Die Ecken werden am Schluss "wie Geschenkpapier" eingeschlagen. Die Firma boesner bietet ein reichhaltiges Sortiment an Rohgewebe an, das von einfachem Baumwollgewebe bis zu sehr schwerer Leinwand reicht.

Grundierung
Wir grundieren das fertig bespannte Leinwandbild mit großen Malerrollen mit fertigem Grundiermaterial der Fa. boesner oder mit Aussen-Dispersionsfarben (Fassadenfarbe). Dispersionsfarben sind wasserverdünnbare Malfarben, die wasserunlöslich auftrocknen. In ihre Malmittel sind mikroskopisch kleine Kunststoffteilchen (Acryl) gleichmäßig in Wasser verteilt (dispergiert), die bei Normaltemperatur einen zusammenhängenden Film bilden, sobald der Wasseranteil teils in den Malgrund eingeschlagen, teils verdunstet ist. Dies ist am einfachsten zu erreichen, in dem man den Bildträger auf den Boden legt, um ein etwaiges Verziehen zu vermeiden. Wichtig ist dabei, dass nicht zu dicke Schichten aufgetragen werden, sondern eher mehrere, aber dünne Schichten. Der Trocknungsprozess einer jeden Schicht dauert ca. 30 Minuten. Die meisten Naturgewebe ziehen sich, wenn sie feucht werden zusammen und entwickeln starke Zugkräfte, die auf den Keilrahmen einwirken (hydroskopische Eigenschaften).

Bei dem Hersteller "guardi" - boesner gibt es einige sehr interessante Malhilfsmittel, mit denen sich interessante Effekte in der Malerei herstellen lassen. Dazu zählen auf jeden Fall die verschiedenen Acryl-Spachtelmassen, die in beliebiger Schichtdicke auf den Bildträger aufgetragen werden können. Die Schichtdicke sollte jedoch in jedem Arbeitsgang nicht mehr als 1 cm betragen, damit keine Rissbildung entsteht und die schnelle Durchtrocknung gewährleistet ist. Es können auch Materialien, wie z. B. Holz, Steine, Plastik, Metallstücke, Stoffe usw. eingebettet werden.

Nach der absoluten Durchtrocknung kann darauf mit einer mageren Eitempera (wird anschließend beschrieben) gemalt werden, die in weiteren Schichten dann auch fetter gemacht werden kann.

Temperafarben
Dieser Name bezeichnet Malfarbensysteme, die aus einer echten Emulsion bestehen. Als Emulsion bezeichnet man die stabile Mischung zweier nicht miteinander mischbarer Flüssigkeiten. Die beiden wichtigsten maltechnischen Emulsionen sind die Ei-Emulsion und die Kasein-Emulsion.

Wir malen mit der Ei-Emulsion, auch Eitempera genannt und zwar mit einer Öl-in-Wasser-Emulsion (OW-Emulsion), deren Verdünnungsmittel das Wasser ist. Das heißt, Hände und Pinsel können mit lauwarmem Wasser und Kernseife gewaschen werden und die Tempera ist mit Wasser verdünnbar! Hier nun einige Infos über den Herstellprozess der Tempera.

Das Hühnerei war neben Gummi, Feigenmilch, tierischen Leimen und Bienenwachs schon Mal- und Bindemittel in der antiken Wand- und Tafelmalerei. Von den Griechen haben es die west- und oströmischen Maler in ihre Tafelmalerei übernommen. Byzantinische Malerschulen haben den Kanon der Eimalerei den frühen Italienern überliefert.

Das Ei besteht aus Dotter und Eiklar, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung deutlich unterscheiden.

Eiklar enthält etwas 85 % Wasser, 12 % Eiweiß, nur 0,2 % fettes Öl und andere Beistoffe.

Eidotter besteht aus etwas 50 % Wasser, 15 % Eiweiß, 22 % fettem Öl, 10 % Lezithin und geringen Mengen Beistoffen. Infolge dieser Zusammensetzung stellt es eine natürliche Öl in Wasser-Emulsion dar. Wird sie allein als Malmittel verwendet, so bilden Öl und Eiweiß das Bindemittel, das in Wasser dispergiert vorliegt. Das Lezithin wirkt dabei als Emulgator, d.h. es trägt zur Stabilisierung bei, hilft, dass sich die beiden Stoffe nicht mehr entmischen.

Infolge ihres großen Anteils an Emulgatorensubstanz sind Eidotter und auch noch das Vollei in der Lage, beträchtliche Mengen wässeriger und nichtwässeriger Malmittel (Öle) in relativ stabile Malmittelemulsionen zu überführen.

Hier die Reihenfolge und die Zusammensetzung für ca. 1 Liter  Eitempera:

1 Raumteil (z.B. 0,33 l = ca. 6-7 Eier) Hühnerei = Inhalt eines ganzen Eies

mit einem Schneebesen in einer Schale rühren, dann in feinem Strahl

1 Raumteil (z.B. 0,33 l) Leinöl(*1) und 1/2 Raumteil Dammarfirnis (z.B. 0,16l) (für eine magere Tempera)(*2)

langsam dazuschütten und weiterrühren. Für Studienzwecke kann auch nur 1 Raumteil (z.B. 0,33l) Leinölfirnis benutzt werden.

dann

1 Raumteil (z.B. 0,33 - 0,4 l) Wasser

dazugegeben. Dies kann nun schneller passieren.

Einige Tropfen Nelkenöl lassen als Gärungshemmer die Mischung länger frisch halten.

Mit einem Trichter in eine saubere Flasche umfüllen.

(*1)
Wir benutzen das Leinöl der Flachspflanze (Leinsamen), da der hohe Linolensäureanteil dieses Öles für das rasche und solide Durchtrocknen seiner Filme sorgt. 

(*2)
 
Dammar das hellste natürliche Weichharz und stammt aus Sumatra, Indonesien. Es ist in grösseren Stücken bis zu etwa 3 cm Durchmesser im Handel. Sein Bruch ist glasklar und seine Färbung sehr gering blassgelblich.

Rezept für Dammarlösung 1:2 (Dammar-Malmittel): 100 g Dammarharz , in
200 ml Balsamterpentinöl oder in dem aromatenfreien SHELLSOl (von boesner) kalt gelöst 

Man löst Dammar, indem man die Brocken in eine Flasche gibt mit der entsprechenden Menge des Lösungsmittels. Die Flasche wird schräg gelegt, um eine grössere Anlösefläche zu erzeugen. Während des Tages öfters schütteln.

Ist die Lösung fertig, wird sie durchgeseiht (z.B. mit einem Kaffeefilter), und dabei werden die Verunreinigungen beseitigt.

Die Flasche, in welcher die Harzlösung abgefüllt wird, sollte aus braunem Glas sein, um sie gegen Lichteinfluss zu schützen. Dammar macht die Tempera magerer.

 

Bei warmen Außentemperaturen kann diese Emulsion im Kühlschrank einige Tage aufbewahrt werden. Vor dem jeweiligen Gebrauch gut schütteln.

In kleinen Bechern rühren wir nun die verschiedenen Pigmente (Pulverfarben) einzeln mit der Emulsion zu einer streichfähigen Farbmasse zusammen. Mit einigen Spritzern  Spiritus werden manche Pigmente besser benetzt und können deshalb in der Tempera besser  "untergehen"

Pigmente
Pigmente werden die in dem jeweils aktuellen Anwendungsmedium praktisch unlöslichen, anorganischen und organischen, bunten und unbunten Farbmittel genannt.

Die wichtigsten Pigmente unseres Malkurses sind:

Titandioxid,
ein Oxid des Metalles Titan, soll zu Anfang des 19. Jahrhunderts zum erstenmal dargestellt worden sein. Um 1870 wird von einem Versuch berichtet, Titandioxid als Pigment zu verwenden, aber erst nach dem Ersten Weltkriege begann in den USA und in Norwegen die fabrikatorische Herstellung einer Titanweisssorte, die 25 Prozent Titandioxid als deckenden und färbenden Bestandteil enthielt.

Zur Herstellung werden Titan-Eisenerze mit Schwefelsäure aufgeschlossen, vorhandene Eisensalze entfernt, anschließend wird das Titansulfat hydrolisiert, gewaschen, zu Titandioxid geglüht und gemahlen. Die Herstellung kann heute so gesteuert werden, dass Titandioxid dabei entweder in der Anatas- oder in der Rutilmodifikation anfällt, in zwei Kristallstrukturen, die maltechnisch unterschiedliche Eigenschaften haben. Wir benutzen die Rutilmodifikation!

Die Titandioxide besitzen das höchste Deck- und Färbevermögen von allen Weißpigmenten.

Kadmiumgelb, -rot, -orange
Das Metall Kadmium ist im Jahr 1817 entdeckt worden. Um 1830 soll schon mit Kadmiumgelb gemalt worden sein, aber erst seit 1849 wird Kadmiumgelb in größerem Maße hergestellt. Kadmiumpigmente können hergestellt werden:

Durch Fällung aus Kadmiumsalzlösung mit Schwefelwasserstoff oder Alkalisulfiden, bei den hellen Sorten in Gegenwart von Zinksalzen, und anschließendem Brennen oder durch Brennen von Kadmiumkarbonat mit Schwefel.

Die Firma boesner bietet ungiftige Kadmiumpigmente an.

Gelbe Ocker
Terra di Siena
Erdpigmente
Entstanden durch Verwitterung von Eisenerzen und Feldspat, enthalten die gelben Ocker neben gelbem Eisenoxidhydrat wechselnde Mengen von Aluminiumsilkaten (Ton, Kaolin), grober kristalliner Kieselsäure (Quarz), feiner kolloidaler Kieselsäure und Kalziumsalzen. Ocker werden im Tagebau gewonnen, geschlämmt und gemahlen. Ihr Färbevermögen steigt mit dem Eisengehalt, das Deckvermögen ist ebenso vom Eisengehalt, wie vom Vorhandensein von kolloidaler Kieselsäure abhängig. Mangananteile rufen bräunliche Farbtönungen hervor. Durch Brennen kann das Kristallwasser aus dem Eisenoxidhydrat ausgetrieben und dieses in rotes Eisenoxid umgewandelt werden.

Ocker und Sienen sind hervorragend lichtecht, wasser- und laugenbeständig, aber säureempfindlich. Schon in der Eiszeit wurden Ocker als Malpigmente verwendet. Ihre hervorragenden maltechnischen Eigenschaften und ihre universelle Brauchbarkeit haben sie zu einem der wichtigsten Malpigmente überhaupt gemacht.

Sie werden heute künstlich hergestellt.

Eisenoxidpigmente
Eisenoxidgelb, -schwarz, -rot
Eisenoxide sind wegen ihres hohen Eisengehaltes sehr deckfähig und besitzen ein ausgezeichnetes Färbevermögen. Ihre Lichtechtheit ist hervorragend. Sie sind mit allen Pigmenten verträglich und in allen Maltechniken brauchbar.

Künstlicher Ultramarin
 Aus Kaolin, Quarz, Soda, Glaubersalz, Schwefel und unter Zugabe von Reduktionsmitteln, Pech, Holz- oder Steinkohle) wird das Ultramarin in Schamottetiegeln gebrannt. Die Höchsttemperatur bei den blauen Sorten beträgt 700-800 Grad C., das Brennen einer Charge mit Abkühlzeit dauert etwa zwölf Tage. Der zuerst grünlich gefärbte Rohbrand erhält Farbtönung und Pigmenteigenschaft erst durch die Weiterbehandlung: Abkühlen, Waschen, Nassmahlen, Schlämmen, Trocknen und Trockenmahlen.

 

Pariser Blau oder Berliner Blau oder Preußisch Blau
Ferriferrozyanid
Im Jahre 1704 hat der Farbenkünstler Diesbach in Berlin dieses tiefblaue, stark färbende Pigment entdeckt. Um 1730 wurde das Herstellungsverfahren bekannt, seit 1750 ist Eisenzyanblau in steigendem Umfang hergestellt und verwendet worden.

Heute fällt man aus Eisensulfat und gelbem Blutlaugensalz den sogenannten Weißteil als Vorprodukt, der durch anschließende Oxidation in Berliner Blau umgesetzt wird.

Magere Tempera trocknet praktisch mit dem Verdunsten des Wassers, wobei sie bereits fest und übermalbar wird. Das völlige Durchtrocknen des darin enthaltenen Öles dauert, wie bei allen fetten Ölen, einige Tage. Der Maler hat es in der Hand, durch die Zugabe von Dammarfirnis die Tempera magerer zu machen. Wichtig ist nur der Grundsatz: FETT AUF MAGER!

Die altitalienischen Eitemperamalereien gehören zu den gegen äußere Einflüsse widerstandsfähigsten Bildern, die es gibt.

Firnisse

Firnisse oder auch Malfirnisse werden die nichtpigmentierten Malstoffe genannt, die in der Regel aus einer Harzlösung bestehen und, wenn überhaupt nur mit einer sehr geringen Menge Öl kombiniert zum Überzug fertiger Bilder oder Bildstellen bestimmt sind. Schlußfirnisse haben die Aufgaben, die eigentliche Bildschicht vor äußeren Einflüssen zu schützen. Auch hier hat die Fa. boesner ein breites Angebot. Besonders zu empfehlen ist der Sprühfirnis von guardi, der in einer zarten Mattheit auftrocknet, und damit die natürliche Mattheit der Eitempera beibehält.

Und hier zum Abschluss noch ein schönes Zitat von unserem Max Doerner:

Maler unterscheiden sich von anderen Menschen hauptsächlich dadurch, dass die diese, ihre, unsere Welt am liebsten durch malen be-greifen wollen und am besten durch Malen be-greifen können. Und bei Malen, dieser ungemein altmodischen, nicht mit rationell arbeitenden Maschinen, sondern wie von 20 000 Jahren immer noch mit der Hand ausgeführten Tätigkeit, wird aus einem Häufchen farbigen Pulvers und ein paar Tropfen klebriger Flüssigkeit auf einem Stück Holz, Papier, Pappe oder Leinwand ein Bild, manchmal ein Kunstwerk. Ist auf diese Weise ein Stück Kunst entstanden, dann ist es nicht mehr nur eine Anhäufung von Farbpulver, miteinander und mit dem Malgrund verklebt. Es hat die Grenzen des naturwissenschaftlich und handwerklich Fassbaren überschritten. Eine Transzendenz ist geschehen.

In diesem Sinne: Frohes Schaffen!

Veronika Olma, Oktober 2004

 

HOME