Malkurse: www.kunstwerkstatt-olma.de
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Die ersten Schritte mit Galileo

Ab jetzt nur noch mit GALILEO!

 

https://www.br.de/themen/wissen/weltweite-navigation-mit-galileo-ab-2019-moeglich-100.html

 

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Galileo-Aufzeichnung olma&Bazi+Frida „gedankenlos/thoughtless“ vom 16.09.2018 ab 18:38 Uhr – 3,06 km in 0:43:02h

 

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save our souls

„save our souls“ – GPS-Aufzeichnung 07. + 08.09.2018. olma&Bazi+Frida. 6,97 km in 01:54 h

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An Frau Dr. Angela Merkel

Offener Brief an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und die Bundesregierung

Verehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Bundesregierung,

ich bin in großer Sorge um das Land und die Bevölkerung. Die Stimmung auf der Straße wird zunehmend bedrohlicher. Mich erreichen täglich dutzende Nachrichten von Menschen, die in Deutschland aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer Herkunft herabwürdigend behandelt werden.

Frau Bundeskanzlerin, mir schreiben Menschen, die auf der Straße beleidigt werden, weil sie eine andere Hautfarbe haben, ich lese von Moscheen und Synagogen, die beschmiert, von Friedhöfen die geschändet werden, mir schreiben Menschen, die bei Behörden schikaniert werden, Menschen die Angst haben, in was für einem Deutschland ihre Kinder aufwachsen werden. Ich habe das früher oft als Spinnerei und Überempfindlichkeit abgetan, ich habe die Augen selbst vor dem systematischen Rassismus in Deutschland verschlossen. Aber seit den Ereignissen der letzten Zeit, seit der Enthemmung von Teilen der Bevölkerung, seitdem öffentlich „Absaufen! Absaufen!“ skandiert wird, LKA-Mitarbeiter bei Pegida mitlaufen, KSK-Einheiten der Bundeswehr den Hitlergruß zeigen, Journalisten durch die Polizei an ihrer Arbeit gehindert werden, der Präsident des Verfassungsschutzes sich zu Verschwörungstheorien hinreißen lässt und der Bundesinnenminister die Migration als Problem bezeichnet, ist es nicht verwunderlich, wenn Menschen mit Migrationshintergrund auch in ihrem Alltag diese Erfahrungen machen. Es schreiben mir Menschen, sie hätten Angst. Ich möchte, dass sie keine Angst haben.

Frau Bundeskanzlerin, es reicht nicht mehr, dass einfach zur Kenntnis zu nehmen. Wenn die Regierung nicht aktiv handelt, wird sich dieses Feuer weiter ausbreiten. Die Zivilgesellschaft hält schon überall gegen, wo sie nur kann. Seien es die 65.000 Menschen bei #WirSindMehr in Chemnitz, 10.000 Menschen in Hamburg gegen die „Merkel muss weg-Demo“ oder zahlreiche andere Beispiele, wo sich die Gesellschaft mutig und kraftvoll gegen Hass und Hetze stellt. Die zahlreichen großen und kleinen Unternehmen, die sich für Vielfalt und Pluralismus aussprechen oder die Künstler*innen, die mit ihren Stimmen gegenhalten. Wir brauchen dabei eine größere Unterstützung, damit die hasserfüllten da draußen erkennen, dass sie mit ihrem Radikalismus nicht weiterkommen werden. Es braucht die kompromisslose Unterstützung der Bundesregierung. Ich kann sie aber nicht überall erkennen.

Der Bundesinnenminister macht uns Menschen mit Migrationshintergrund zum generellen Problem. Er nennt uns die Mutter aller Probleme. Er schlägt den 19,7 Millionen Bürger*innen, deren Eltern mal aus einem anderen Land hierher gekommen sind, ins Gesicht. Er schlägt diesen hart arbeitenden Menschen, die sich zu Millionen nahtlos in die Gesellschaft integriert haben, ihre Steuern zahlen und ihren Anteil zum Erfolg Deutschlands beitragen, ins Gesicht. All den Putzfrauen*männern und Taxifahrern*innen, all den einfachen Arbeitern*innen, den Pflegekräften, den Menschen, die in diesem Land die Drecksarbeit übernehmen, genauso wie den Rechtsanwälten*innen, Ärzten*innen und Ingenieuren*innen, den Menschen in Wissenschaft und Forschung, Universitätsprofessor*innen, Bundestagsabgeordneten, Künstler*innen und Journalisten*innen ins Gesicht. Er schlägt ihnen und ihren Kindern ins Gesicht. Er macht sie alle zum Problem. Ich bin aber kein Problem. Und ich lasse es mir auch nicht einreden.

Frau Bundeskanzlerin, wissen Sie, wir wollten nicht hierher kommen. Ich hatte ein schönes Haus in Teheran, mit Spielsachen und Kinderbüchern. Mit meinen Freunden und meiner Familie. Meine Eltern hatten Arbeit, wir waren glücklich. Wir wollten nicht nach Deutschland kommen, um hier im Asylantenheim zu leben, um keine Arbeits- und keine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Um jeden Tag Angst zu haben, wieder weggeschickt zu werden. Meine Familie wollten ihr Land nicht verlassen, sie wollte hier nicht die Klos putzen und Taxi fahren. Sie wollte sich nicht beim Sozialamt anstellen und die Hand aufhalten, sie wollten ihre kleinen Kinder nicht unter großer Gefahr aus dem Land nach Hamburg schicken. Aber als Saddams Bomben uns trafen, haben wir uns dafür entschieden zu gehen. Wir kamen nicht hierher, um Deutschland kaputt zu machen. Wir kamen hierher, weil unsere Heimat kaputt gemacht wurde.

Frau Bundeskanzlerin, wir haben uns integriert, wir zahlen unsere Steuern, wir arbeiten, wir sind ein Teil dieser Gesellschaft geworden, mittlerweile in zweiter und dritter Generation. Wir sind dankbar für das, was man uns gab. Wir sind kein Einzelfall. Die überwältigende Mehrheit der Migranten ist so. Aber für Herrn Seehofer sind wir die Mutter aller Probleme. Für ihn, werden wie nie dazugehören. Das tut sehr weh. Wie lange soll ich mich noch ducken und dankbar sein? Und wie viele Generationen nach mir?

Selbstverständlich lehne ich jede Form von Extremismus ab. Die überwältigende Mehrheit der Migranten lehnt jede Form von Extremismus ab. Jeder Anschlag, jedes Verbrechen, jede noch so kleine Straftat, die von einem Migranten begangen wurde, macht mich unendlich wütend. Ich bete bei jeder Meldung darum, dass es kein Ausländer ist, damit der Hass sich am nächsten Tag nicht wieder gegen uns richtet. Wir sind nicht alle Islamisten, weil ein paar Verbrecher unseren Ruf in den Dreck ziehen. Aber der Bundesinnenminister verurteilt alle Migranten, weil sich ein paar nicht benehmen können und straffällig werden. Ich kann wirklich nichts dafür, dass sich einige Migranten in Deutschland nicht benehmen.

Wenn am Stammtisch in der Eckkneipe oder bei Facebook in der Kommentarspalte pauschalisiert wird, kann ich das zumindest nachvollziehen. Aber ich kann nicht nachvollziehen, warum der Bundesinnenminister das macht. Ist er denn nicht auch mein Innenminister, mein Heimatminister? Ist Deutschland nicht auch meine Heimat? Ich verstehe nicht, wie sie meine Steuern akzeptieren können, aber nicht meine Persönlichkeit, meinen Glauben und meine Hautfarbe.
Selbstverständlich gibt es in Deutschland Probleme. Menschen fühlen sich angehängt, sie sehen keine Perspektive oder haben Angst um ihre Zukunft, sei es weil die Rente nicht reicht oder die Angst vor dem Fremden sie lähmt. Selbstverständlich muss man die Sorgen dieser Menschen ernst nehmen. Aber es kann nicht sein, dass diese Sorgen als Deckmantel für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtspopulismus missbraucht werden. Das Hebend es rechten Arms, das Zerstören eines jüdischen Restaurants oder das Anzünden eines Flüchtlingsheims sind keine hinnehmbaren Formen der demokratischen Meinungsäußerung.

Frau Bundeskanzlerin, dieses Land wurde gespalten und zwar nicht nur von blau-braunen Unruhestiftern, sondern mittlerweile von der Regierung, vom Bundesinnenminister, vom Chef des Verfassungsschutzes, von so vielen, die nicht spalten sollten. Das, was hier gerade betrieben wird, ist unverantwortlich. Die AfD sucht den Schulterschluss mit Rechtsradikalen und marschiert mit ihnen Seite an Seite durch Chemnitz und Hamburg. Spitzenpolitiker wie Seehofer und Kretschmer relativieren die Vorfälle in Chemnitz und tragen den Hass offen in die Mitte der Gesellschaft.

Frau Bundeskanzlerin, ich mache mir Sorgen um meine Zukunft und ob ich in diesem Land überhaupt noch eine Zukunft habe. Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Sorgen je haben werde, aber ich habe sie jetzt.

Wir diskutieren, wann eine Hetzjagd eine Hetzjagd ist, wie viele Ausländer, wie lange getrieben werden müssen, damit man von einer Hetzjagd sprechen kann, während in Chemnitz bei den rechten Demonstrationen vermummte Neonazis ein jüdische Restaurant angegriffen und „Hau ab aus Deutschland, Du Judensau!“ gerufen haben. Wie der sächsische Ministerpräsident das bezeichnet, wissen wir nicht. Wir hängen uns gerade an Worten auf, dabei sollten wir uns mit den Taten beschäftigen.

Dieser Staat steht vor einem Scheideweg. Die Ereignisse in Sachsen sind nicht besorgniserregend, sie sind kein Warnzeichen, sie sind nicht alarmierend, sie zeigen, dass das der Rechtsstaat in Deutschland in Teilen gescheitert ist und davor ist, weiter gravierend zu scheitern. Menschen skandieren rechte Parolen, zeigen den Hitlergruß, jagen andere Menschen durch die Stadt. Die Polizei schätzt dabei die Situation „falsch“ ein. Sie reagiert nicht. Sie schützt die friedlichen Bürger nicht vor dieser Gewalt und diesem Hass. Der sächsische Ministerpräsident sieht in der Arbeit der Polizei kein Fehlverhalten. Im Gegenteil, er findet die Arbeit erfolgreich. Der Bundesinnenminister sieht keine Gründe, sich wirklich zu äußern. In Sachsen ist der Rechtsstaat gescheitert. Nicht seit Chemnitz, aber seit Chemnitz unübersehbar.

Der Haftbefehl gegen die mutmaßlichen Täter vom Chemnitz wurde im Internet veröffentlicht. Das zeigt, in wie weit Zuständige wie Justizbeamte innerhalb des Staates den Rechtsradikalismus in Deutschland unterstützen. Es zeigt, dass dieser Staat nicht mehr überall unabhängig agiert. Es zeigt, dass dieser Staat von Innen heraus angegriffen wird. Nicht seit Chemnitz, aber seit Chemnitz unübersehbar.

Frau Bundeskanzlerin, die AfD bat Ihre Regierung in einer Kleinen Anfrage um eine Aufstellung über politisch motivierte Gewalttaten. Darin fehlen, wie gerade bekannt wurde, die Morde des NSU. Das Bundesinnenministerium verschweigt aktiv die NSU-Morde und -Anschläge.
Das Bundesinnenministerium sagte dazu, da die Taten des NSU lange fälschlich als Straftaten der organisierten Kriminalität und erst nach dem Auffliegen der Terrorgruppe als rechter Terrorismus erkennbar wurden, müssen sie nachgemeldet werden. Ich habe das Bundesinnenministerium angeschrieben, um zu erfahren, wann das korrigiert werden würde. Man sagte mir dann recht lapidar: „Nachmeldungen und Korrekturen finden nur bis zum 31. Januar des Folgejahres Aufnahme in die jährlichen Statistiken.“

Im Klartext heißt das, dass die NSU-Verbrechen

– neun Morde an Migranten
– ein Polizistenmord
– zwei Sprengstoffanschläge
– 15 Raubüberfälle,

die durch den NSU-Prozess bewiesen worden sind, der vielfach als wichtigster Strafprozess seit der Wiedervereinigung bezeichnet worden ist, der größte und kostspieligste Strafprozess ist, der in Deutschland je gegen Neonazis geführt wurde und von Prozessbeobachtern in einer Reihe mit den Nürnberger Prozessen, den Auschwitzprozessen und dem RAF-Prozess gesehen wird, diese NSU-Verbrechen werden in der Aufstellung der Bundesregierung über politisch motivierte Gewalttaten nicht geführt. Das heißt, keine dieser zehn Morde kommt in der Aufstellung unter „vollendetes Tötungsdelikt – rechts“ vor. Auch keine dieser zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle kommt irgendwo vor. Obwohl das Gericht die Taten als erwiesen ansieht und Beate Zschäpe dafür zu lebenslanger Haft verurteilt hat. Als hätte es sie einfach nicht gegeben. Warum verhöhnen Sie damit weiter die Opfer und lassen die AfD damit triumphieren?

Frau Bundeskanzlerin, ich weiß nicht wohin dieses Land gerade driftet, aber ich habe das Gefühl, das viele Menschen die als Staatsdiener neutral und dem Grundgesetzt gegenüber verpflichtet sein sollten, dies nicht mehr sind und dieses Land schleichend in Menschen 1. und 2. Klasse aufteilen.

Ich finde diese Verhältnisse untragbar. Ich finde den Bundesinnenminister unerträglich. Den Präsidenten des Verfassungsschutzes halte ich auf allen Ebenen für nicht neutral, genauso halte ich den sächsischen Ministerpräsidenten für völlig gescheitert. Ich finde Ihre Regierung sollte die demokratische Grundordnung und die Verfassung vor diesen Leuten schützen und endlich handeln.

Frau Bundeskanzlerin, seien Sie bitte auch meine Bundeskanzlerin, die Bundeskanzlerin aller Migranten in Deutschland, aller Menschen, die diesen Hass nicht wollen. Lassen Sie es nicht zu, dass sich die Geschichte wiederholt. Wenn nicht jetzt gehandelt wird, ist es vielleicht zu spät. Bitte hören Sie unsere Rufe. Lassen Sie es nicht zu, dass Menschen in Deutschland ein weiteres Mal aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe erst diskriminiert und dann verfolgt werden. Das was danach kam, kann ich nicht aussprechen. Aber zu denken, es sei einmalig, ist ein Irrtum. Lassen Sie nicht zu, dass die Erinnerung daran erlischt und lassen Sie nicht zu, dass es sich wiederholt.

Leider ist die Stimme des Hasses momentan lauter, weil wir sie haben in den letzten Jahren so laut werden lassen. Es ist an der Zeit, dass zu ändern. Das Ausland schaut bereits mit Sorge auf uns. Das Bild dieses wunderschönen Landes, mit seinen warmen, liebenswerten Menschen, die mir seit nun mehr als dreißig Jahren eine zweite Heimat bieten, dessen Teil ich heute selbst bin, darf nicht zerstört werden. Deutschland ist schon lange nicht mehr das Deutschland der Nazis, der rollenden Panzer, der Mitläufer und Armheber, es ist ein offenes, buntes und gastfreundliches Land. Es ist ein Land das in Europa und der Welt als Beispiel vorangegangen ist und Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat, während andere die Grenzen geschlossen haben. Daran haben Sie einen großen Anteil und ich danken Ihnen dafür. Es ist ein Land, dass mir ermöglicht hat, heute das zu machen, was ich mache. Es ist ein Land der Sicherheit, des Wohlstands und des Friedens. Lassen Sie uns dieses Land aufrechterhalten und nicht zulassen, dass die Extremisten weiter unser Bild prägen.

Ich möchte nicht ein zweites Mal meine Heimat verlieren.

Frau Merkel, #WirSindMehr.

Ihr Michel Abdollahi

Neue Arbeiten August 2018

„Die Pferde sind im Garten “
2018
Chitosan-Tempera auf Baumwollsegel
160 x 200 cm

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und
„Müde von der Jagd“
2018
Chitosan-Tempera auf Baumwollsegel
160 x 200 cm

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DAY ORANGE

AKTION SEEBRÜCKE

„Day Orange“ am 4. August 2018

Die Bewegung SEEBRÜCKE ruft für Samstag, den 4. August 2018, deutschlandweit zum Aktionstag „DAY ORANGE“  auf. An diesem Tag finden zahlreiche Protestaktionen statt, um Solidarität mit den Geflüchteten und Seenotrettern im Mittelmeerraum zu demonstrieren.

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Neue Stickstoff-Boxen: Birds – Chitosantempera auf besticktem Leinen – 20 x 20 x 9 cm

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Natur

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no not Not

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Fraternité-Projekt

Stadt Filderstadt
Deutsch-französisches Kunstwerk an der Gedenkstätte
  • Brenner in Baziblog
Stadt FilderstadtDeutsch-französisches Kunstwerk an der Gedenkstätte
Seit wenigen Tagen befindet sich – wenige Meter von der Gedenkstätte für die Opfer des KZ-Außenlagers am Flughafen entfernt – ein großformatiges Kunstwerk von der Größe einer Plakatwand.

Ungewöhnlich ist nicht nur die Größe, sondern auch die Entstehung. Im Zusammenhang mit der Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels an 15 KZ-Gedenkstätten in Frankreich und Südwestdeutschland hatte der französische Künstler Luc Demissy aus Straßburg die Idee einer gemeinsamen Serie großformatiger Kunstwerke für die 15 Standorte. Er ist Mitglied der deutsch-französischen Künstlergruppe „Plakat – Wand – Kunst“ und des Vereins Quinz’Art. Seit vielen Jahren pflegt diese Künstlergruppe Beziehungen zwischen Künstlern beiderseits des Rheins.

Das Kunstwerk am Airfield ist ebenso wie die anderen 14 Plakat-Kunstwerke gleich in mehrerer Hinsicht etwas Ungewöhnliches: Kunst als Dialog zwischen zwei Künstlern: jedes Kunstwerk wurde gemeinsam durch einen französischen und einen deutschen Künstler geschaffen, die Kombination entschied das Los. In diesem Fall sind es die deutsche Künstlerin Veronika Olma aus Rheinland-Pfalz sowie ihre französische Kollegin Marie-Jo Daloz. Kunst kann aber auch ein Dialog zwischen zwei Nationen sein, die in der Vergangenheit viele Kriege gegeneinander geführt haben, heute aber ihre Feindschaft überwunden haben und durch vielfältige Bande miteinander verbunden sind.

„Tatsächlich stehen sich in diesem Werk zwei sehr unterschiedliche Stile gegenüber und finden nebeneinander Platz“, so die Einschätzung von Luc Demissy. Er sieht in diesem Werk durchaus mehrere Deutungsangebote: eine dunkle Vergangenheit und eine lichtere Zukunft – oder auch eine lichte Gegenwart und eine dunklere Zukunft. Nur auf den ersten Blick sind beiden Seiten voneinander scharf getrennt. Bei näherer Betrachtung erkennt man die Einbrüche der hellen Farben ins Dunkle und umgekehrt. Im schwarzen Feld erkennt man einen „Doppelhund“, sein Urbild stammt aus einer Porzellanmanufaktur in Deutschland während der NS-Zeit, in welcher auch Zwangsarbeiter beschäftigt waren.

Das Kunstwerk wird an dieser Stelle bis Herbst zu sehen sein, im Frühjahr 2019 wird es an einer anderen Gedenkstätte aufgestellt werden, an der Gedenkstätte am Flughafen wird dann ein neues Kunstwerk stehen. (ba)

Bildunterschrift:

Der Künstler und Koordinator Luc Demissy (Mitte) aus Straßburg inmitten des Plakatkunstwerks, einer Gemeinschaftsarbeit der Künstlerinnen Marie-Jo Daloz und Veronika Olma. Die beiden Stadtarchivare und Gedenkstätten-Leiter Bernd Klagholz, Leinfelden-Echterdingen (links) und Nikolaus Back, Filderstadt (rechts). Foto: Alica Brenner

Boxer

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Europa. Herz der Finsternis

https://mobil.derstandard.at/2000082491730/Christoph-Ransmayr-Europa-Herz-der-Finsternis

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Christoph Ransmayr: Europa! Herz der Finsternis

ESSAY CHRISTOPH RANSMAYR 1. Juli 2018, 14:00

Was für eine betörende Utopie: ein Kontinent der friedlichen Völker, ohne Grenzbalken und Kriege. Aber Europa hat die Rechnung für seine Raubzüge nie bezahlt. Und wer von uns will schon auf einen Teil des Luxus verzichten?

Es war an einem gewittrigen, aber noch windstillen Januartag, an dem ich ein barfüßiges Mädchen von sechs, vielleicht sieben Jahren in einem löwenzahngelben, in streifige Fetzen gerissenen Kleid auf einer von Schlaglöchern durchschossenen Landstraße im Gebiet der ostafrikanischen Virunga-Vulkane sah. Das Mädchen schleppte einen großen Wasserkanister, der offensichtlich so schwer war, dass die Kleine ihn nur mit beiden Händen und zwischen ihren dürren Beinen pendelnd Schritt für Schritt voranbringen konnte. Auch wenn sie manchmal versuchte, den Schwung der Pendelbewegung ihrer Last für den nächsten Schritt zu nützen, musste sie das Gewicht nach wenigen Metern doch immer wieder abstellen, musste Atem schöpfen, um den Kanister dann mit einem Seufzer wieder aufzunehmen. Trotzdem hob sie in einer dieser Atempausen den Kopf und winkte einer kleinen, im Schatten einer staubigen Akazie mit einer Reifenpanne beschäftigten Gruppe auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu und lächelte. Winkte uns zu. Uns Europäern. Uns Weißen.

Ich war in diesen Januarwochen gemeinsam mit meiner Frau und Freunden aus Südtirol in einem überladenen Geländewagen in der Grenzregion zwischen Uganda, Ruanda und dem Kongo unterwegs, um einige weit in den Regen- und Nebelwäldern des Ruwenzori-Gebirges verstreute Berggorillaclans zu beobachten. Eine ruandische Primatenforscherin hatte uns diesen Weg ins Gebirge ermöglicht und wollte uns führen. Die Mitglieder ihrer Gorillaclans waren durch jahrzehntelange Bemühungen von Zoologen und Verhaltensforscherinnen wie etwa der Kalifornierin Dian Fossey durchaus nicht gezähmt, durchaus nicht domestiziert, aber doch in einem Ausmaß an das gelegentliche Erscheinen von Menschen gewöhnt worden, dass von der Wildnis und den Dramen der Tierwelt gebannte Afrikareisende wie wir sich ihnen im günstigsten Fall bis auf eine Armlänge nähern konnten, ohne dabei wesentlich mehr zu riskieren als ein Mensch, der ein Pferd oder einen Jagdhund streicheln will.

Gefährlicher, viel gefährlicher als ein etwa zweihundert Kilogramm schwerer Gorilla, der seinen Clan als Silberrücken führte und beschützte, waren auch in diesen Januartagen und wie immer die Menschen: Wilderer im Sold reicher Trophäensammler, Straßenbauer oder Landerschließer, denen der Urwald entweder eine bloße Tropenholzreserve war, exotischer Baugrund für Hotels und Resorts oder einfach ein Hindernis, das aus dem Weg gesägt, gebrannt oder gesprengt werden musste. Wie vor ihr und nach ihr noch andere Freunde der Gorillas war auch Dian Fossey solchen Herren der Wildnis unter nie geklärten Umständen zum Opfer gefallen: Sie wurde mit eingeschlagenem Schädel vor ihrer Hütte in jener Hochwaldregion gefunden, die wir in den kommenden Tagen durchwandern wollten.

Das Mädchen im gelben Kleid schien seinen Kanister trotz des quälenden Gewichts in die Unendlichkeit schleppen zu wollen: Die Straße durchschnitt im aufkommenden Wind wogende Papyrusfelder wie in alttestamentarischen Tagen vielleicht der Fluchtweg der Israeliten das Rote Meer, das sich zur Linken und Rechten der ins Gelobte Land Ziehenden zu Wassermauern erhob. Der ferne Horizont war von dunklem Urwald gezähnt, dahinter lag ein von zahllosen Seen schimmerndes Hochland, aus dem wir an diesem Morgen aufgebrochen waren. Wir hatten auf diesem Abschnitt unserer Route und bis das Hinterrad mit einem Knall alle Luft verlor und unser Gefährt ins Schleudern geriet, keine Dörfer gesehen, nur vereinzelte, mit Stroh oder Wellblech gedeckte Hütten, auch keine Strommasten. Eine Abzweigung, die zu irgendeinem Ziel des Mädchens führen musste, war uns offensichtlich entgangen. Oder schleppte die Wasserträgerin ihre übergroße Last tatsächlich in die Unendlichkeit? Neben dem von Wolkenbrüchen unterspülten Straßenrand, von dem sich jetzt aber nur Staubfahnen erhoben und gleich wieder hinlegten, verlief – als eindrucksvollstes Zeichen zivilisatorischer Bemühungen in dieser dürren Verlassenheit – ein mindestens fünfzehn, vielleicht zwanzig Zoll starkes Wasserrohr in die hitzeflirrende Weite, in der sich diese Leitung, durch die ganze Seen oder Flüsse dahinrauschen mussten, schließlich fadendünn im Papyrus verlor.

Solche Rohrsysteme, so viel hatten wir schon in den ersten Tagen unserer Fahrt durch Uganda und Ruanda gesehen, führten auf französische, englische oder amerikanische Ananas-, Kakao-, Kaffee- oder Teeplantagen oder den im Wind nickenden Tulpenfeldern holländischer Blumenzüchter, aber niemals in die Dörfer der Menschen, die sich auf solchen Plantagen und Feldern abmühten. Die holten ihr Wasser von trüben Quellen und schleppten es in Kanistern oder auf dem Kopf balancierten Plastikwannen an Feuerstellen, an denen jeder Schluck gekocht werden musste, wenn er nicht zur Quelle einer Vielzahl von Krankheiten werden sollte. Diese Papyrusfelder! Der raschelnde, wispernde Klang dieser Felder … Während wir uns mit einem verbogenen Kreuzschlüssel an vom Rost festgebackenen Schraubenmuttern abmühten und den fehlenden Druck im Reserverad hochzupumpen versuchten, stellte ich mir Schriftrollen von der endlosen Länge dieser Straße vor, die aus dem Papyrus gewonnen werden könnten, Rollen, auf denen die wahre Chronik dieses Kontinents erst noch geschrieben werden müsste. War denn nicht zumindest die jüngere Geschichte Afrikas immer auch eine Geschichte Europas gewesen? Ebenso wie die Geschichten Asiens und Ozeaniens und Indonesiens und die beider Amerikas und selbst die der Südsee immer auch eine Geschichte des europäischen Auftritts gewesen waren, eine Geschichte der Eroberung, der Ausbeutung, der Sklaverei und des Völkermords. Spuren Europas überall in Afrika. Wohin immer ein Afrikareisender sich auf diesem Kontinent wandte, selbst wenn er nur unterwegs war, um weiße Nashörner, Elefanten, Hyänen oder Leoparden zu bestaunen (oder zu jagen), musste er auf die Spuren Europas stoßen, auf eine zertrampelte Bühne der Grausamkeit, dazu aber auch: auf Quellgebiete des europäischen Reichtums. Ohne die hier geschürften Erze und seltenen Erden, ohne die Gold- und Silber- und Diamantenminen und unzähligen anderen Bodenschätze, ohne die hier eingebrachten Ernten, ohne die Arbeitskraft von Abermillionen Sklaven und Billigstlohnarbeitern wäre Europa wohl bis zum heutigen Tag noch längst nicht jenes Paradies, als das es in jenen Flüchtlingsströmen ersehnt und bewundert wird, die auf den Schlachtfeldern von europäisch mitverschuldeten Kriegen und Elends- und Dürregebieten entspringen.

Europa hat die Rechnungen für seine durch Jahrhunderte unternommenen Raubzüge quer durch alle Kontinente dieser Erde nie bezahlt, ja hat die von sogenannten Entdeckern und kolonialen Armeen angerichteten Verwüstungen stets so lange geleugnet, bis der Gestank aus den Massengräbern nicht mehr zu ertragen war. Natürlich gab es auch in den Jahrhunderten vor dem Einfall europäischer Horden lokale Mordbrenner, Wucherer und Handelsgesellschaften, Stammeskriege, Sklavenmärkte, Grausamkeit und Gier, aber erst durch die Abgesandten aus den vermeintlichen Zentren der Kultur – aus Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Portugal, Deutschland … – wurden Sklaverei und Völkermord zum Instrument einer geradezu apokalyptischen Geschäftspraxis. Selbst der als Schlächter von Afrika in die Geschichte der Barbarei eingegangene ugandische Diktator Idi Amin Dada hatte sein Handwerk als hoher Offizier der britischen Kolonialarmee gelernt, bis er sich neben seinem militärischen Rang als Sergeant-Major auch den Titel eines Herrn aller Tiere der Erde und aller Fische der Meere zulegte und mehr als vierhunderttausend Untertanen töten ließ.

Wo immer europäische Missionare und Landräuber erschienen, suchten und fanden sie nicht nur Kollaborateure und Erfüllungsgehilfen vor Ort, sondern deformierten sie ganze Regionen, ihre Kultur und ihre Traditionen bis zur benötigten Missgestalt, zogen Grenzen mit dem Lineal quer durch Sprachräume und Stammesgebiete und schufen so alle Grundlagen künftiger, noch weit über die Befreiungen von den jeweiligen Eroberern hinaus reichende Feindschaften und Bürgerkriege. Die Ahnengalerie von europäischen Entdeckern, von Gouverneuren, Handelsherren und Sklavenhändlern und mit ihnen ein unüberschaubares Heer von sogenannten Handlungsreisenden und Landvermessern, tatsächlich aber bloßen Erfüllungsgehilfen der Vernichtung, führt durch Jahrhunderte hinab und zeigt etwa die Porträts von segelnden Schweinehirten wie den estremadurischen Analphabeten Francisco Pizarro González, den Zerstörer des Reiches der Inka, und seinen in jeder Hinsicht Bluts- und Gesinnungsverwandten Hernán Cortés, den Zerstörer des Aztekenreiches. Aber selbst aus den schwärzesten und blutigsten Zeiten führt diese Galerie immer wieder und über das 19. und 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart und zeigt uns Reiterstandbilder wie das des belgischen Königs Leopold II. aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha, der in den wenigen Jahren, in denen er den Kongo, ein Land von der vielfachen Größe Belgiens, als sein Privateigentum betrachtete, für den Tod von mindestens zehn Millionen Menschen verantwortlich war. Es gibt auch Schätzungen, die zwanzig Millionen Opfer dieses Königs zählen. Abgehackte Hände und Füße Leopold und seine Geschäftsfreunde ließen den als Geiseln genommenen Frauen und Kindern von Zwangsarbeitern, die das oft unerfüllbare Tagessoll auf den belgischen Kautschukplantagen selbst um den Preis tödlicher Erschöpfung nicht erfüllen konnten, Hände und Füße abhacken und die Gliedmaßen räuchern und einsalzen, damit sie als Drohung und Zeichen des Schreckens auf dem frühmorgendlichen Weg zu den Plantagen gezeigt werden und verzweifelte Arbeitswut bewirken sollten. Die Bilderdienste des Internets zeigen immer noch eine Schwarz-Weiß-Fotografie aus jenen frühen Tagen des 20. Jahrhunderts, auf der ein in sich versunkener, dünner, halb nackter Mann auf den vor ihm liegenden, abgehackten Fuß und die abgehackte Hand seiner Tochter starrt. Möglicherweise steht Leopold II, der Reiter von Brüssel, immer noch an seinem Ort, weil unter seinem Schreckensregime die Aktie der Anglo-Belgian-Indian Rubber Company von viereinhalb auf eintausend Pfund stieg? Das entspricht einem Profit von mehr als zweiundzwanzigtausend Prozent.

Europa! Sollte es tatsächlich ein Sinnbild der europäischen Gegenwart sein, dass das Denkmal eines königlichen Mehrheitsaktionärs am Rand der Brüsseler Botanischen Gärten und im Herzen der Europäischen Union immer noch in den Himmel ragen darf? Gewiss, es war stets lächerlich und es wird immer lächerlich bleiben, der Kunst im Allgemeinen und der Literatur im Besonderen, Aufgaben zuzuweisen, Themen, um die sie sich annehmen und die sie darstellen und im Sinn der Aufklärung als Programm der Menschlichkeit verbreiten soll.

Aber wenn Literatur, wenn die Erzählung imstande ist, die Vorstellungskraft vom Glück, von den Sehnsüchten und vom Leiden jener anderen, die sowohl in unserer nächsten Nachbarschaft als auch tief unter unseren geografischen wie kulturellen Horizonten leben, zu fördern und damit eine Basis zu schaffen für das Verständnis des Fremden, dann sollte die europäische Literatur – wenn es denn so etwas überhaupt geben kann – zumindest gelegentlich Brücken schlagen zwischen der nächsten Nähe und dem scheinbar Fernsten, dem Vertrauten und dem Rätselhaften und, ja, auch zwischen dem eigenen Reichtum und dem Elend, das diesen Reichtum erst möglich werden ließ. Wenn Menschheitskatastrophen, deren Ausmaße gegenwärtig nur als Albträume vorstellbar sind, verhindert oder wenigstens gemildert werden sollen, dann wird es nicht mehr genügen, jene Welt, die auch nach der letzten Zählung immer noch die Dritte heißt, mit lächerlichen Almosen zu bedenken, sogenannten Entwicklungshilfen, die in Wahrheit über raffinierte Finanzierungsinstrumente zumeist doch wieder auf europäische Konten zurückfließen, sondern dann müsste der Reichtum dieser Welt endlich und tatsächlich gestreut werden, nicht in Form von Almosen, sondern von menschengerechteren Löhnen und gerechten Preisen, und das heißt auch: Es müssten Verhältnisse abgeschafft werden, in denen eine Handvoll Unersättlicher – etwa von der geistigen Beschränktheit und grotesken Infantilität des gegenwärtigen amerikanischen Präsidenten und seiner europäischen Geschäftsfreunde, fast alles – und der Rest der Welt, der nicht notwendigerweise klüger ist als irgendein Barbar im Weißen Haus, fast nichts besitzt.

Eine unfromme Hoffnung, gewiss. Denn wer von uns wollte tatsächlich und leichten Herzens wenigstens auf einen Teil des Luxus verzichten, der uns in unterschiedlicher Üppigkeit selbst- verständlich wurde – etwa auf Zweit-, Dritt- und Viertautos, auf Zweit-, Dritt- und Viertwohnungen und entsprechende Häuser? Auf mindestens Drei- bis Fünfsternhotels und billige Langstreckenflüge, auf Ströme von kostbarem, klarem Trinkwasser selbst in unseren Toiletten! Und stimmen wir denn nicht an jeder Zapfsäule auch über Ölkriege ab, die zum Nutzen unserer Sonntagsausflüge und Ferienfahrten ans Meer auf den Schlachtfeldern des Nahen Ostens und wo immer sich der Treibstoff für unsere Mobilität findet, geführt werden?

Im sogenannten Zeitalter der Entdeckungen, einer Zeit des tatsächlich ins Unermessliche wachsenden europäischen Reichtums, starben fast dreiundzwanzig Millionen der indigenen Bewohner Mexikos und Mesoamerikas. Der von Europäern betriebene Sklavenhandel vom sechzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert verschleppte dreißig Millionen – Nein!, sagen realitätsnähere Statistiker: Es waren einhundert Millionen – Opfer. Übereinstimmung in dieser klaffenden Berechnungsschere herrscht nur darüber, dass ein Drittel der aus Afrika verschleppten Sklaven das Ziel jedenfalls nicht lebend erreichte. Die Staupläne der Sklavenschiffe zeigen Decks so niedrig, dass die dort Angeketteten nur liegend transportiert werden konnten – Tote, Sieche, Verzweifelte und Verwesende nebeneinander, bis vor norddeutschen, dänischen, englischen französischen, spanischen oder niederländischen Zielhäfen die Ketten gelöst und die Toten ins Meer geworfen wurden. Allein in Nantes, einem der größten Umsatzhäfen des Menschenhandels, wurde in den Jahren der Sklaverei die Fracht von eintausendvierhundertsechsundvierzig Sklavenschiffen gelöscht.

Vergangenheit? Das sei doch alles längst vergangen? Die Toten sind immer noch tot. Und auch der ihre Würde, ihr Glück und ihr Leben fordernde Reichtum und Wohlstand dauert an. Dass Nordamerika über einen Genozid in den Besitz europäischer Siedler geriet, ist zum Sujet heroischer Erzählungen aus einem Wilden Westen geworden, aber nur im Ausnahmefall zur Anklage. Die brachiale Verwandlung von Stammesgebieten in die von europäischen Wirtschaftsflüchtlingen gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika forderte zehn, auch hier sagen andere: zwanzig Millionen Tote. Jeder war ersetzbar. Aber um mehr oder weniger Tote hat sich das segelnde und Handel treibende Europa nie gekümmert. Wer sein Leben verlor, wurde ersetzt. Starb auch der Ersatz, wurde die Menschenjagd weiter befeuert. Und was in den Zeiten europäischer Missionen als göttlicher Auftrag galt, sollte bis in die Gegenwart von Konzernen wie Unilever, Nestlé oder Monsanto fortgeführt werden, Monsanto!, dem Lieferanten für alle Arten von Pflanzengiften und gentechnisch verunstaltetem Saatgut – erst unlängst verschluckt von der seit den Hitlerjahren mit Zwangsarbeit vertrauten Bayer AG. Monsanto. Was für ein Name für einen Konzern, der während des Vietnamkrieges als Lieferant des Entlaubungsmittels Agent Orange und bis heute Generationen von Verkrüppelten das Licht einer desinteressierten Welt erblicken ließ und der das Wasser, die Felder und Gärten dieser Erde in einem Ausmaß vergiftet hat, das am Ende der Tage vielleicht nur noch mit jenem Regen aus Feuer und Schwefel vergleichbar sein wird, der Sodom und Gomorra vom Antlitz der Erde brannte.

Wenn es nicht die von den Künsten Europas, seiner Malerei, seiner Musik, seiner Poesie und seinen Natur- und Geisteswissenschaften entzündeten Lichter gäbe und dazu den tröstlichen Schein von Bastionen der Menschlichkeit wie Ärzte ohne Grenzen, das Rote Kreuz oder Amnesty International, bliebe für diesen Kontinent in weltgeschichtlicher Hinsicht vielleicht nur noch ein Name: Das Herz der Finsternis. (Der Vollständigkeit halber sei hier auch angemerkt, dass selbst einer der größten Menschenfreunde der europäischen Geistesgeschichte, Monsieur François-Marie Arouet, der als Voltaire weltberühmt wurde, sein Vermögen mit mehr als eintausend Prozent Gewinn in Aktien des Sklavenhandels angelegt hatte.)

Glück und Leiden der anderen
Die von einer immerhin möglichen europäischen Literatur gelieferte Ahnung vom Leben, vom Glück und Leiden der anderen, könnte nicht nur zumindest einigen Opfern der Alten Welt ein Gesicht, einen Namen und vielleicht die Erinnerung an ein Leben zurückgeben, sondern könnte ebenso einige Leser oder Zuhörer – im besten Fall – immunisieren gegen die barbarischen Predigten, die nun als Programme europäischer Politik von Regierungsbänken herab verkündet werden: Bildungs- und oft auch ausbildungsferne Minister und Kanzler, beispielsweise in Warschau, in Wien, Budapest oder Prag, die ihre persönlichen Karrieren und ihre monströsen Parteiapparate zumeist nur aus Steuermitteln zu finanzieren vermochten, beanspruchen den auf fremden Rücken gewonnenen Wohlstand als ihre politische Leistung und sind stolz, Flüchtlingen aus geplünderten Rohstoffgebieten Rettungswege abgeschnitten und den Zugang zum jeweils gelobten Land mit Stacheldrahtverhauen und Tränengas verwehrt zu haben. Nein, vor den Flüchtlingszügen des 21. Jahrhunderts weicht das Meer nicht zurück und erhebt sich nicht zu Wassermauern, sondern es schlägt über den Hilfesuchenden zusammen.

Europa … Was für ein schöner und was für ein trauriger Name – nach der Mythologie der Name einer phönizischen Prinzessin, die von Zeus, der ihretwegen die Gestalt eines verspielten, weiß-wolligen Stiers annahm und das Mädchen auf seinem Rücken nach Kreta entführte und dort – nach heutiger Lesart – vergewaltigte. Unter den drei Söhnen, die Europa fern ihrer phönizischen Heimat zur Welt brachte, war auch Minos, der spätere Herr über das Labyrinth von Knossos, in dem die Bestie Minotauros dahin und dorthin rasen sollte.

Erinnerung auf Banknoten
Dass an die Entführte und Vergewaltigte von der Europäischen Zentralbank erinnert wird, indem ihr Bild als Wasserzeichen und als Hologramm auf den Fünf-Euro- und Zehn-Euro-Noten in hauchzarten Linien erscheint, legt die Vermutung nahe, dass Banknoten die einzigen Papiere sind, die im vorherrschenden europäischen Geschichtsbewusstsein Erinnerungen wachrufen können.

Ach, Europa. Was für eine zauberische, betörende Utopie: ein Kontinent der friedlichen Völker und des Zusammenströmens verschiedener Kulturen, ohne Grenzbalken, ohne Kriege, ohne die Seuche des Nationalismus und rassistischen Wahn. So begeisternd dieser Traum auch immer noch ist – er ist zuschanden geworden an der Gedankenschwäche und an der Gier seiner regierenden Eliten und ihrer Wähler. Europa oder das, wofür der Name einer Prinzessin einmal stehen sollte, wird möglicherweise zugrunde gehen an der nationalistischen Vernagelung, an der Vergesslichkeit und Mitleidlosigkeit der Mehrzahl seiner Bewohner. Und die europäischen Selbstzerfleischungen in einst dreißig Jahre dauernden, am Ende aber durch die ganze Welt rasenden Kriegen des 20. Jahrhunderts sind möglicherweise nicht nur Abgründe der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft. Der Brüsseler Massenmörder auf seinem Ross ist mein Zeuge.

Wie schön und besänftigend war es doch, im Ruwenzori-Gebirge eine einzige zuversichtliche, freundliche Stimme auf dem Weg durch die Erinnerung zu hören – in jenem Regenwald, in dessen nebelige Höhen uns die Zoologin führte, nachdem wir unser Gefährt wieder flottgemacht und trotz einiger Warnungen, in der Gegend von Kasese wüte ein Stammes- und Bürgerkrieg, der in den vergangenen Wochen fast hundert Tote gefordert hatte, ins tiefe, tropfende Grün hochgestiegen waren.

Natürlich hatten wir vor unserer Weiterfahrt dem Mädchen im gelben Kleid angeboten, sie und ihre Last ans Ziel zu bringen. Aber sie hatte sich, bis wir unser Fahrzeug wieder bestiegen, mit ihrem Kanister schon ein Stück weitergekämpft und drehte sich auf unseren Zuruf nur kurz um. Sie wollte nicht. Wer die Weißen nicht fürchtet, sagte ein Wildhüter Stunden später am Ausgangspunkt unseres Weges ins Gebirge, wer die Weißen nicht fürchtet, der kennt sie nicht.

Der Gorilla saß ruhig da
Niemand, dämpfte die Zoologin dann unsere Erwartungen, niemand könne mit Sicherheit sagen, wo die Gorillaclans sich auf ihrer Nahrungssuche gerade aufhielten. Vielleicht würde also dieser Tag für unsere Suche nicht ausreichen. Aber nach Stunden des Aufstiegs, in Regengüssen und über schlammige Steilhänge, hielt sie plötzlich inne und legte einen Finger auf ihren Mund. Wir waren angekommen: Als sie einen dichtbelaubten Zweig zur Seite und aus unserer Sicht bog, standen wir kaum drei Meter entfernt vor der größten Affenart dieser Welt; einem Silberrücken. Der Gorilla saß ruhig da, rupfte weiter Blätter von dem gebogenen Zweig, blickte uns an und wandte seinen Blick nicht von uns, als wir vor ihm auf die Knie sanken. (Wir konnten ihn kniend einfacher fotografieren). Und nach und nach zeigten sich vier, fünf, schließlich neun Mitglieder des Clans, die bis dahin ebenso unsichtbar im Buschwerk verborgen gewesen waren wie der erste und größte von ihnen. Wie lange, wie lange! hatten wir in den Tagen davor in einer Wildhüterstation die sanften, an ein melodisches Grunzen oder ein tiefes, menschliches Räuspern erinnernden Laute geübt, die unter Gorillas als Zeichen des Vertrauens und freundlichen Interesses galten. Und wir auf unseren Knien, nachdem unser Herzschlag sich beruhigt hatte und wir zu dem Silberrücken mehr wie Untertanen als Besucher aufsahen, versuchten, die Lehren der Wildhüter anzuwenden und grunzten und knurrten und uns räusperten im Bemühen, die Sprache unseres Gastgebers zu imitieren und ihm unsere friedlichen Absichten mitzuteilen. Wir sollten unsere Bergstöcke in den Busch legen, flüsterte unsere Führerin, Gorillas, selbst wenn sie noch nie unter der Jagd gelitten hätten, seien durch ihre Überlieferung gewarnt und sahen Gewehre, wenn sie Stöcke sahen.

Alles ist gut
Gewiss hörte der Silberrücken unseren unbeholfenen, europäischen Akzent, den Akzent jener hellen, wässrigen Wesen, die seinesgleichen gejagt, erschossen und geköpft, die teerschwarzen Hände abgehackt und als eingesalzene Trophäen in ferne Hauptstädte der Kultur exportiert hatten, um sie dort präparieren zu lassen und an die Wände muffiger Landsitze zu nageln. Aber dieser Gorilla, während seine Gefährten sich knackend und raschelnd wieder ins Dickicht zurückzogen, hörte unserem Grunzen fast nachsichtig zu. Sah uns an, so lange und so tief hinab in unsere Seelen – oder was immer Europäer in der Brust tragen –, dass wir mit einem Mal ganz die Seinen waren. Und er zupfte mit seinen großen Händen langsam ein zierliches Blatt vom Zweig und noch eines und führte es zum Mund und erhob, nein: senkte plötzlich seine Stimme und ließ uns jenen Laut hören, den wir vergeblich nachzuahmen versucht hatten. Er räusperte sich. Er grunzte sanft. Und das bedeutete, so hatten wir es von den Wildhütern gelernt: Es ist gut. Alles ist gut.

(Christoph Ransmayr, 1.7.2018) Der Text ist Christoph Ransmayrs Rede zur Verleihung des Würth-Preises für Europäische Literatur 2018, der von der Stiftung Würth mit Sitz in Künzelsau, Deutschland, vergeben wird.

Christoph Ransmayr, geb. 1954 in Wels, Oberösterreich, studierte Philosophie und Ethnologie und lebt in Wien. Zuletzt erschien von ihm „Der Atlas eines ängstlichen Mannes“ (2012). Für seine Bücher erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen. – derstandard.at/2000082491730/Christoph-Ransmayr-Europa-Herz-der-Finsternis

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GPS-Aufzeichnung vom 30.06.2018 – olma&bazi in 13 Minuten – 1,3 km

 

 

Trocknertierchen

Was machen eigentlich die Trockner-Tierchen?

(Weichtierchen – aus dem Reich der Flusen – geboren aus zwei Trocknermüttern in den letzten sieben Jahre -. Sie lieben den innigen Kontakt zum nächsten Tierchen, deswegen ist sehr enge Kuschelhaltung im Käfig äußerst wichtig. Eine absolute Ausnahme im Tierreich)

149 Trocknertierchen im Vogelkäfig (DDR)

shadow of the last year

Der kürzeste Schatten vom 21.06.2017  – 13 Uhr MESZ wird wieder getragen am 21.06.2018 um 13 Uhr. 35853391 1827295560662655 621102973090529280 O-600x437 in Baziblog35930081 1827295330662678 6395454827731615744 N-480x600 in Baziblog

I am the artist

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Fraternité-Projekt

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Haus der Wirtschaft, Stuttgart.

Ausstellung von sechs der 16 Plakatwände, die in zwei Symposien in der Kunsthalle Griesheim im Frühjahr entstanden sind. Beteiligt waren 32 Künstler, die als deutsch-französisches Duo 16 dieser Wände zum Thema „Fraternité“ gestaltet haben. Die 10 weiteren Wände werden ab dem 24. Juni in Struthof/Natzweiler (F) gezeigt.

Ausstellung während der Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels.

„Für die gemeinsame grenzüberschreitende Vermittlungsarbeit haben die Gedenkstätten des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof im Elsass das Europäische Kulturerbe-Siegel erhalten. Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, überreichte die Auszeichnungs-Plaketten heute im Stuttgarter Haus der Wirtschaft an die zwölf Gedenkstätten der baden-württembergischen Außenlagerstandorte. Die Gedenkstätte am Hauptlagerstandort Natzweiler und zwei weitere Außenlager auf heutigem französischen Gebiet haben die Auszeichnung ebenfalls erhalten.“

Ausgestellt in Stuttgart:

 

 

flux4art

Vorbesichtigung Kunstverein Germersheim für die im Herbst stattfindende flux4art.
www.flux4art.de
#flux4art

 

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PingPong

PingPong –

Kunst antwortet auf Kunst

PingPong ist ein außergewöhnliches Match von Künstlerwerkgemeinschaft und Autorengruppe Kaiserslautern: Die beteiligten Autoren stellen je ein oder zwei Werke zur Verfügung, die Künstler reagieren. Und ebenso umgekehrt. Am Ende stehen mehr als 80 Werke, die sich aufeinander beziehen, miteinander spielen, sich gegenseitig weitertreiben. Einzigartig in der Kunstszene der letzten Jahre!
Die Ergebnisses dieses gemeinsamen Matchs werden im ‚Kunstlager‘ (Eisenbahnstraße 23, im Fuchsbau) im Rahmen der „Langen Nacht der Kultur“ am 9.6. präsentiert:
Live, mit Netz und geteilter Platte.
zwischen 17:00 und 22:00 finden halbstündlich Präsentationen und Lesungen statt:
17.15 Eröffnung
18.00 Ist das Kunst? – ReadyMade, Dada und Investoren
18.30 Falten
19.00 Blickwinkel
19.30 Mit Nadel, Faden und Lexikon
20.00 Wolkenkuckucksheim
21.00 video meets word
21.30 Entscheidungsdoppel
Musikalische Begleitung Yves Gevaudan.
Die Ausstellung ist geöffnet von 9.6.-23.6. jeweils Donnerstag und Freitag 16 – 18 Uhr und Samstag 11-15 Uhr.

Veranstaltung in der Ausstellung PingPong
Braucht das Kind einen Namen? – oder von der Schwierigkeit einen Titel zu finden.
Ein Werkstattgespräch zwischen Autoren und Bildenden Künstlern aus dem PingPong-Projekt. Dienstag, 19.6. 18 Uhr Kunstlager

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stock. Der Dritte…

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Foto: Marta Maria Mróz

PAFF the MAGIC

27.05.2018 – 10.06.2018 | PAFF THE MAGIC
Kunstprozesse auf dem alten Industriegelände

www.paff-the-magic.de

Die Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern (mit Gästen) präsentiert eine großflächig angelegte Ausstellung im ehemalige Verwaltungsgebäude der Nähmaschinenfabrik Pfaff – gezeigt werden Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Objekt- und Installationskunst sowie Schauspiel… Sie erreichen das Ausstellungsgebäude über die Albert-Schweitzerstraße.

Ausstellung geöffnet von 15 – 19 Uhr an drei Sonntagen:

27. Mai + 3. Juni + 10. Juni 2018

Im Dornröschenschlaf – so hat die Künstlerwerkgemeinschaft die Räume auf der stadtbekannten Industriebrache vorgefunden, ohne Strom- und Wasseranschluss und im langsamen, aber stetigen Verfall begriffen. An drei Sonntagen (27. Mai, 3. und 10. Juni) wird sie das ehemalige Verwaltungsgebäude gemeinsam mit befreundeten Künstlern „aus dem Schlaf küssen“und Skulpturen, Installation, Malerei, Zeichnungen und Objektkunst präsentieren. Die Ausstellungen können an den drei genannten Tagenjeweils von 15 bis 19 Uhr besucht werden.

Das zentrale Gebäude des Areals mit der ikonischen Nähmaschine auf dem Dach: Jahrzehntelang wurde hier gestempelt, getippt, geplant und verwaltet. Dann der folgenschwere Einschnitt: Die Insolvenz des Kaiserslauterer Traditionsunternehmens. Von da an dämmerten die Räume über Jahre in einer Warteschleife vor sich hin.Sie setzten Staub an und verfielen langsam, aber stetig. Der Zustand des Wartens hat demnächst ein Ende, bald schon werden Renovierungsarbeiten beginnen. Wohnungen sollen es werden und Menschen einziehen, diedas Gebäude mit neuem Leben füllen. Ein neuer Abschnitt und gewichtiger Wendepunkt im „Lebenszyklus“ des Gebäudes.

Künstler aus Kaiserslautern nutzen jetzt die Gunst der Stunde und reagieren auf den spannenden und einmaligen Schwebezustand zwischen der vergangenen Verwaltung und dem zukünftigen Wohnen. Die jetzige Situation im Gebäude ist fast surreal, die Zeit scheint seit dem Verlassen des Gebäudes einerseits wie eingefroren, andererseits zeigen sich auch die Spuren eines natürlichen Zerfalls: ein chaotischer Aktenschrank, sich lösende Deckenelemente, Toiletten in verschiedenen Stadien des Erhalts, vor allem aber wirkt der gegenwärtige Zustand des Gebäudes fragil und temporär. Vor allem aber werden die atmosphärisch dichten, bisher leeren Räume durch die installierten Kunstwerke und Objekte neu definiert und aktiviert. Wahrscheinlich wird bis zur letzten Minute vor der Eröffnung am 27. Mai um 14 Uhr hin- und hergeschoben, geschraubt, gedübelt und experimentiert…

Wir möchten alle kunstinteressierten Bürger auf das ehemalige Pfaffgelände einladen, diese besondere Ausstellung zu erkunden, genießen und auch mit uns ins Gespräch zu kommen. Der Zugang erfolgt über die Albert-Schweitzerstraße. Ein Rahmenprogramm mit der Schauspielerin Hannelore Bähr, dem Saxofonisten Helmut Engelhardt und den Performancekünstlerinnen Eva Pick und Gertrud Rietmüller bzw. Klaus Harth / Brandstifter werden an diesen Sonntagen für zusätzliche Impulse sorgen. Lassen sie sich einfangen vom Zauber eines besonderen Ortes und einer besonderen Ausstellung. PAFF THE MAGIC eben…

Roland Albert · Manfred Bäcker · Hannelore Bähr · Brandstifter · Thomas Brenner · Stefano Cattaneo · Helmut Engelhardt · Michael Fetzer · Michael Geib · Marie Gouil · Jörg Heieck · Klaus M. Hartmann · Klaus Harth · Fabian Knöbl · Judith Leinen · Marta Maria Mroz · Reiner Mährlein · Veronika Olma · Shakti Paqué · Eva Paula Pick · Gertrud Riethmüller · Bea Roth · Norbert Roth · Silvia Rudolf · Marcel Friedrich Weber · Angelika Steinmacher · Volker Tinti ·

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Marie-Jo Daloz und Veronika Olma

In diesem Werk stehen sich zwei sehr unterschiedliche Stile gegenüber und finden nebeneinander Platz – eine dunkle „Vergangenheit“ und eine lichtere Zukunft – oder auch eine lichte Gegenwart und eine dunklere Zukunft. Interessant erscheint die Gestaltung der Übergangszone. Auf den ersten Blick sind beide Seiten voneinander getrennt, doch nähert man sich dem Werk erkennt man die Einbrüche der hellen Farben ins Dunkle und umgekehrt. Im schwarzen Feld erkennt man einen „Doppelhund“, sein Urbild stammt aus einer Porzellanmanufaktur in Nazideutschland, in welcher auch Zwangsarbeiter beschäftigt waren.

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Fraternité – Brüderlichkeit: alle fertigen Arbeiten

Fraternité – Brüderlichkeit 2018

Fraternité Duo: olma-Daloz

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Fraternité

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iste ego sum sum vom 26.04.2018

Der heilige Bazi Bazitus von Bilbao

Der heilige Bazi Bazitus von Bilbao.
Schutzpatron aller Lautbeller, Großohren, Schnellfresser, Vielschmuser, Turborenner, Supermodels und Naturkomiker.
Hier: Auswahl von Heiligenbildchen zum Selbstausdrucken.

Fraternité. Marie-Jo Daloz und Veronika Olma

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DER EHEMALIGE KZ-KOMPLEX NATZWEILER-STRUTHOF

Das Konzentrationslager Natzweiler in den Vogesen gehört zu den „großen“ Konzentrationslagern Nazideutschlands. Es wurde 1941 im annektierten Elsass gegründet und war der am weitesten westlich gelegene Fixpunkt des KZ-Systems. Als die Alliierten immer mächtiger wurden und viele Männer an den Fronten gebunden waren, griff die deutsche Rüstungsindustrie zunehmend auf die Arbeitskraft von KZ-Häftlingen zurück. So wurden zwischen 1942 und 1945, meist direkt an den Industriestandorten oder bei Flughäfen, mindestens 55 Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler errichtet: in Lothringen, dem Elsass, in Hessen, vor allem aber in Baden und Württemberg. Nicht selten handelte es sich bei den Industrieprojekten um aufwändige Untertage-Verlagerungen ganzer Fabriken. Insgesamt starben im KZ-Komplex Natzweiler-Struthof etwa 22.000 Menschen aus 30 Nationen durch Hunger, Kälte und absolute Erschöpfung.
Verstärkt seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts setzten sich Bürgerinnen und Bürger an einigen ehemaligen Außenlager-Orten bzw. den damit verbundenen Produktionsstätten für die Einrichtung von Gedenkstätten ein. Jeder dieser Erinnerungsorte ist historisch gewachsen und besitzt ein eigenes, individuelles Profil. Den gemeinsamen Gegenstand der Erinnerung bilden das Unrecht und die Unterdrückung, die der multinationalen Häftlingsgesellschaft in den Außenlagern wiederfuhren. Das hatte zur Folge, dass die lokale Erinnerungsarbeit von Anfang an eine grenzüberschreitende, europäische Dimension erhielt.
Alle Gedenkstätten verstehen sich als historisch-politische Lernorte für Jugendliche sowie Erwachsene und haben ein differenziertes pädagogisches Angebot entwickelt. Zudem treten die Gedenkstätten mit ihrer Bildungsarbeit für Menschenrechte, für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, gegen Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ein.

DEUTSCH-FRANZÖSISCHE ZUSAMMENARBEIT IN DER ERINNERUNGSKULTUR FÜR GEDENKSTÄTTEN

Immer stärker ist bei den KZ-Gedenkstätten das Bewusstsein dafür gewachsen, dass sie eine gemeinsame Geschichte bearbeiten. So entstand eine enge Zusammenarbeit der Gedenkstätten untereinander, woraus sich der Verbund der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler-Struthof (VGKN) gebildet hat. In enger Kooperation mit dem in Frankreich gelegenen Ort des ehemaligen Hauptlagers sowie dem dort angesiedelten Centre Européen du Résistant Déporté (CERD) wurden und werden Projekte einer europäischen Erinnerungskultur erarbeitet und umgesetzt.

RELIKTE DES TERRORS – EIN ERFASSUNGSPROJEKT DES LANDESAMTES FÜR DENKMALPFLEGE

Nicht alle Orte, an denen die Häftlinge einst untergebracht waren oder arbeiten mussten, haben bis heute überdauert. Einige Tunnel oder Stollen sind inzwischen verfüllt, manchmal findet man heute an den ehemaligen KZ-Standorten Wohn- oder Gewerbegebiete. An einigen abgelegenen Plätzen sind noch zu gewucherte Ruinen betonierter Industrieanlagen oder Gebäudereste und Barackenfundamente mitten im Wald erhalten. Diese Überreste entfalten eine besonders eindringliche Zeugniskraft, wenn es gelingt, sie zum Sprechen zu bringen. Dazu müssen sie in den historischen Zusammenhang gestellt und auf ihre Deutungsmöglichkeiten befragt werden.
Aus diesem Grund wird sich die Landesdenkmalpflege in Baden-Württemberg in den nächsten vier Jahren im Rahmen eines Erfassungsprojektes verstärkt um die Relikte des Lagerkomplexes Natzweiler kümmern. Dabei kommen Methoden der Bau- und Kunstdenkmalpflege, aber vor allem der zeithistorischen Archäologie zum Tragen. Mithilfe der letzteren können dem Boden einstiger Lagerstandorte Informationen abgerungen und Lücken der schriftlichen und mündlichen Überlieferung geschlossen werden. Im Idealfall können auch neue Erkenntnisse zur baulichen Gestalt und Entwicklung der Lager oder zum Alltagsleben der Gefangenen gewonnen werden.

PROJEKTE IM RAHMEN DES EUROPÄISCHEN KULTURERBEJAHRES

Im Europäischen Kulturerbejahr haben sich verschiedene Partner grenzübergreifend zusammengefunden, um dem Themenkomplex mithilfe neuer medialer Möglichkeiten und Projekte mehr Sichtbarkeit zu verleihen und ihn auch didaktisch fruchtbar zu machen. Beteiligt sind das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, der Verbund der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler e.V. (VGKN), das Centre Européen du Résistant Déporté (CERD) sowie die beiden Künstlergruppen Quinz’Art und PLAKAT WAND KUNST. Unterstützung erhalten sie aus dem europäischen Förderprogramm Interreg, vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, der Obersten Denkmalschutzbehörde des Landes, der Baden Württemberg Stiftung, der Direction Régionale des Affaires Culturelles und der Région Grand Est.

FRANZÖSISCH-DEUTSCHES KUNSTPROJEKT „FRATERNITÉ/BRÜDERLICHKEIT“

Im Rahmen des Kunstprojektes werden sich 32 deutsche und französische Künstler/innen in gemischten Tandems mit dem KZ-Komplex Natzweiler auseinandersetzen und gemeinsam 16 großformatige Gemälde auf Holzwänden gestalten. Zuvor haben bereits deutsche und französische Jugendliche aus Schulen in der Nähe der Gedenkstätten diese besucht und sich fotografisch-künstlerisch mit dem Bestand auseinandergesetzt.
Andere Jugendliche werden unter Impulsgebung der Künstler/innen ihre Eindrücke und Gedanken zu den Gedenkstätten unter dem Motto „Was bleibt? – Que reste-t-il?“ künstlerisch verarbeiten.

WANDERAUSSTELLUNG IN STUTTGART UND CERD/NATZWILLER

Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzungen werden in eine Wanderausstellung einfließen. Im Haus der Wirtschaft in Stuttgart werden ab dem 12. Juni 2018 sechs der großformatigen Kunstwerke sowie die damit verbundenen Schüler/innen-Arbeiten gezeigt werden, dazu die Ausstellungstafeln des Schüler/innen-Fotoprojekts „Natzweiler und Außenlager“. Weitere zehn der großformatigen Gemälde werden ab dem 24. Juni 2018 im Außengelände des Centre Européen du Résistant Déporté (CERD) beim ehemaligen Hauptlager zu sehen sein. In Stuttgart werden zudem Informationstafeln und ein Film das denkmalfachliche Erfassungsprojekt „Natzweiler Außenlager“ beleuchten; eine Begleitveranstaltung am 29. Juni lässt Projektbeteiligte aus beiden Ländern aus Sicht von Denkmalpflege, Kunst und Gedenkstätten zu Wort und Austausch auf ein Podium kommen.

Im September/Oktober wandern dann 14 Groß-Kunstwerke sowie ausgewählte Arbeiten von Schüler/innen in die 14 französischen und deutschen Außenlager-Gedenkstätten auf beiden Seiten des Rheines.

DIDAKTISCHE WERKZEUGKÄSTEN

Die Ergebnisse des Projektes fließen in www.sharingheritage.de sowie in die Website www.denkmal-europa.de der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger ein. Dort entsteht darüber hinaus eine didaktische Toolbox, die Kulturvermittler/innen Handreichungen zur Beschäftigung mit dem Thema gibt. Daneben wird ein didaktischer Baukasten zum Thema „Europäische Bedeutung der Natzweiler-Gedenkstätten“ entwickelt, der Lehrer/innen auf beiden Rheinseiten zur Verfügung gestellt wird.

AUSZEICHNUNG MIT DEM EUROPÄISCHEN KULTURERBE-SIEGEL
Kurz vor dem Auftakt des Europäischen Kulturerbejahres wurde bekannt, dass das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler und 14 seiner Außenlager beiderseits des Rheins das Europäische Kulturerbe-Siegel erhalten sollen. Dieses Siegel wird von der Europäischen Union ausgestellt und hat zum Ziel, die europäische Dimension der Kulturgüter, Denkmäler, Natur- und Stadtgebiete, Gedenkstätten und Zeugen der Geschichte als Teil des europäischen Erbes herauszustellen.
Zum ersten Mal wird das Siegel an eine grenzübergreifende Stätte vergeben. Die Vergabe des Siegels an die 15 Gedenkstätten von „Natzweiler“ auf beiden Seiten des Rheins zeigt, dass es möglich ist, aus Orten eines mörderischen Zivilisationsbruchs Orte der Versöhnung und einer demokratischen Wertevermittlung zu machen – nur in diesem Sinn können sie als Teil des europäischen Kulturerbes verstanden werden.